Ich bin noch keine Boblegende

Francesco Friedrich fährt in Innsbruck zu seinem dritten WM-Titel im Zweier / Gold gewinnen auch Anja Schneiderheinze und das deutsche Team

  • Von Frank Kastner, Innsbruck
  • Lesedauer: 3 Min.
Die deutschen Zweierbobteams erwischten einen Traumstart in die WM: Nach Gold für Anja Schneiderheinze schaffte Francesco Friedrich das WM-Triple. Johannes Lochner überraschte mit Silber.

Mit erst 25 Jahren zählt Francesco Friedrich nach seinem WM-Hattrick zu den ganz Großen im Bobsport. Nachdem sich Anja Schneiderheinze tags zuvor in Innsbruck-Igls mit 37 Jahren zur ältesten Weltmeisterin der Bobgeschichte gekrönt hatte, wandelt der jüngste Zweierbob-Weltmeister nun auf den Spuren des legendären fünfmaligen Champions Eugenio Monti. Der Italiener hatte seine Titel allerdings schon zwischen 1957 und 1962 gewonnen.

»Als Boblegende fühle ich mich noch nicht, ich kann ja noch zehn Jahre um Siege mitfahren«, sagte der Oberbärenburger Friedrich nach seinem dritten WM-Triumph. In Innsbruck-Igls hatte er sich mit seinem Hallenser Anschieber Thorsten Margis im Klassement Lauf um Lauf vorgearbeitet und durfte sich am Ende unter den Augen von Fürst Albert von Monaco erneut als Weltmeister feiern lassen. Und das trotz eines dreiwöchigen Trainingsausfalls nach einer Muskelverletzung.

17 Hundertstelsekunden zurück wurde Johannes Lochner mit seinem Anschieber Joshua Bluhm (beide Stuttgart) erneut Zweiter. Nach zwei von vier Durchgängen hatte der Juniorenweltmeister sogar noch geführt. Doch Friedrich konterte im dritten Lauf mit Bahnrekord von 51,32 s. Auf Rang drei kam der Schweizer Beat Hefti. »Es ist wirklich unglaublich, ich hatte nur drei Wochen Zeit, um wieder fit zu werden«, sagte Friedrich, der nach seinem Triumph seine Frau Magdalena auf den Armen durch die Zielarena trug.

»Es war sehr schwierig, mit einem angeschlagenen Gefühl ins Rennen zu gehen. Es wurde dann immer besser. Wir sind so erleichtert. Denn was die nervliche Belastung und die Vorbereitung betrifft, war es das schwierigste Rennen meiner Karriere. Und ohne unsere Physiotherapeuten hätte ich es sicher nicht geschafft.« Sein lädierter Oberschenkel war komplett verbunden worden. »Es ging nur Hopp oder Top, eine andere Chance hatten wir nicht«, meinte Friedrich.

Auch Lochner konnte zufrieden sein. Genau 25 Jahre nach dem Sieg seines Onkels Rudi in Altenberg holte der 25-Jährige wie im Vorjahr erneut die Silbermedaille - obwohl er nicht ein Weltcuprennen in diesem Winter absolviert hat. Zudem hatte sein Partner Bluhm im Sommer nach einem schweren Verkehrsunfall noch um sein Leben gebangt. »Die Freude über Silber ist groß. Doch wir haben im letzten Lauf auch Fehler gemacht, das trübt die Stimmung ein wenig«, sagte Lochner.

Für einen goldenen WM-Auftakt hatte Anja Schneiderheinze gesorgt. Elf Jahre nach ihrem WM-Coup als Anschieberin von Sandra Kiriasis holte die Erfurterin den WM-Titel nun als Pilotin. Mit Annika Drazek hatte sie nach vier Start- und drei Laufbestzeiten inklusive des Bahnrekords in 52,94 s am Ende 33 Hundertstel Vorsprung auf die Olympiasiegerin Kaillie Humphries aus Kanada. Titelverteidigerin Elana Meyers Taylor aus den USA wurde Dritte. »Das ist Wahnsinn. Wir sind Weltmeister, wir sind die Besten der Welt«, strahlte Schneiderheinze, die 2006 mit Kiriasis auch schon Olympiasiegerin geworden war.

Zum Abschluss des Wochenendes gewannen Schneiderheinze, Lochner und die Skeletonis Axel Jungk (Oberbärenburg) und Tina Hermann Gold im Teamwettbewerb. dpa/nd

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