Mobilmachungspläne für den ländlichen Raum

Brandenburg hat seine Verkehrsstrategie bis 2030 festgelegt, nun folgt der Landesnahverkehrsplan 2018 bis 2022

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Für Nutzer des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB), die regelmäßig zwischen Bundeshauptstadt und Umland unterwegs sind, ist es längst gelebte Realität: Nicht nur im Berufsverkehr, sondern auch an Wochenenden und Feiertagen sind die Regionalzüge, S-Bahnen und Busse oft hoffnungslos überfüllt. Eine Situation, die auch die im Februar beschlossene »Mobilitätsstrategie Brandenburg 2030« widerspiegelt. Inzwischen hat die Umsetzung dieses Leitbildes begonnen, läuft die Diskussion zum neuen Landesnahverkehrsplan 2018 bis 2022. Er hat die Strategie in die Nahverkehrsplanung für den ländlichen Raum zu übersetzen.

Die Mobilitätsstrategie geht davon aus, dass sich in der Region Berlin und Brandenburg mit zurzeit rund sechs Millionen Einwohnern ein stetiger demografischer Wandel vollzieht. Dem Bevölkerungsrückgang in berlinfernen Landesteilen steht demnach ein kontinuierliches Wachstum im engeren Umfeld der Metropole entgegen. »Die Zahl der Pendlerinnen und Pendler nimmt zu. Heute pendeln täglich rund 200 000 Menschen aus Brandenburg nach Berlin, rund 80 000 pendeln aus Berlin nach Brandenburg, eine Steigerung von rund 27 Prozent seit 2006«, so heißt es in dem Leitbild der rot-roten Landesregierung.

Nach VBB-Angaben sieht sich das ÖPNV-System im »Speckgürtel« mit einer zum Teil enorm wachsenden Nachfrage konfrontiert. Im Stadt-Umland-Verkehr Berlins verkehren 39 Buslinien, zwei Straßenbahnlinien, zehn S-Bahn-Linien und 21 Eisenbahnlinien. Laut VBB vermeldet der Regionalverkehr für den Zeitraum 2010 bis 2015 für Potsdam 55 Prozent mehr Nachfrage, ähnlich sieht es auch in Falkensee (55 Prozent), Bernau (50), Königs Wusterhausen (45) oder Großbeeren (50) aus.

Das Land hat für die Zeit bis 2030 den Rahmen für die Entwicklung des Verkehrs (Personen und Güter), den Mix der Verkehrsmittel (Bahn, Bus, Lkw, Pkw, Fahrrad, Schiff) und den Ausbau der notwendigen Infrastruktur (Straßen, Schienen, Wasserwege) abgesteckt. Ziel ist es, die Hauptstadtregion gemeinsam mit Berlin, den Nachbarländern und den angrenzenden polnischen Wojewodschaften zu mobilisieren. Dabei will die Landesregierung Mobilität in allen Landesteilen zur Sicherung der Daseinsvorsorge für Bürger und Wirtschaft organisieren - differenziert, bedarfs- und umweltgerecht, sozial gerecht und verkehrssicher.

Brandenburgs ÖPNV-Gesetz sieht vor, dass der Landesnahverkehrsplan alle fünf Jahre fortgeschrieben wird. Der neue Plan soll bis Jahresende vorliegen. Bei der Auftaktveranstaltung im Februar kündigte Verkehrsministerin Kathrin Schneider (SPD) unter anderem die Entwicklung konkreter Bedienkonzepte für die kommenden Jahre an, mit denen das Angebot für die Fahrgäste verbessert werden soll. Der Plan für die Jahre 2018 bis 2022 werde »auf der Grundlage der vom Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg erstellten Korridoruntersuchung«, die von beiden Ländern in Auftrag gegeben wurde, erarbeitet. »Das tun wir im Dialog mit den Verbänden, den Kommunen, den Verkehrsunternehmen und den Bürgerinnen und Bürgern«, so Schneider.

Mit dem Landesnahverkehrsplan werden die langfristigen Infrastrukturprojekte - also Trassenkapazitäten, S-Bahn-Erweiterungen - auf den Weg gebracht. Die neu zu entwickelnden Fahrpläne sollen künftig bessere Anschlüsse gewährleisten. Den kommunalen Aufgabenträgern des übrigen ÖPNV dient der Plan als Rahmen und Orientierung für ihre eigenen Angebots- beziehungsweise Nahverkehrsplanungen. Er leistet damit einen wichtigen Beitrag zur Steuerung von Angebot und Nachfrage auf den Pendlerstrecken und den Bahnlinien in den ländlichen Regionen.

Die notwendigen aktuellen Daten der Bevölkerungsprognose und der Nachfrageerhebung zu Berufs-, Ausbildungs- und Freizeitverkehren auf den Korridoren des ÖPNV im nahen und weiteren Berliner Umland lieferte die Korridoruntersuchung des VBB. Aus dieser Bestandsaufnahme werden unter Berücksichtigung der Finanzierbarkeit Konzepte für die weitere Entwicklung der Bahn- und Busnetze im Land erarbeitet.

Die jetzt angelaufenen Abstimmungen werden ab dem 7. Juni mit vier sogenannten »Regionalen Quadrantendialogen« in Wittenberge, Bad Belzig, Cottbus und Angermünde sowie mit Städtekranz-Gesprächen in Luckenwalde fortgesetzt. Am Ende entstehen Zielkonzeptionen, die in den Entwurf des Landesnahverkehrsplans einfließen werden. Er soll im Spätherbst in den Landtag eingebracht werden und noch Ende 2017 verabschiedet werden.

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