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Berlusconi bezahlte Mafiabosse

Notizen aus dem Nachlass von Anti-Mafiarichter Giovanni Falcone belegen enge Beziehungen und belasten den Politiker

  • Wolf H. Wagner, Florenz
  • Lesedauer: 2 Min.
Italien tut sich schwer mit der Aufarbeitung seiner jüngeren Geschichte. Vor allem die Zeit Anfang der 90er Jahre bleibt äußerst nebulös. Die Regierung des Christdemokraten Giulio Andreotti, die sich aus »Angst vor dem Kommunismus« auch mit dem organisierten Verbrechen arrangiert hatte, nahm nach dem Zusammenbruch des Sozialismus h auch die Mafia aufs Korn. Die reagierte prompt mit Anschlägen und Morden.

Doch 1993 hörte der Krieg zwischen Mafia und Staat plötzlich auf. Die erste Republik und mit ihr Andreotti gingen unter, ein neuer Stern erstrahlte: Silvio Berlusconi und seine Forza Italia. Ein nun aufgetauchtes Dokument könnte Zusammenhänge erhellen: Berlusconi hatte engste Beziehungen zur Cosa Nostra, die aktiv am Aufbau der neuen politischen Bewegung beteiligt war.

Im Nachlass des 1992 von einer Bombe getöteten Anti-Mafiarichter Giovanni Falcone fand sich ein Verhörprotokoll, in dem notiert ist, dass Berlusconi Gelder an Mafiabosse zahlte und gute Beziehungen zu ihnen unterhielt. Am 6. November 1989 verhörte der Richter den »Pentito« (Kronzeugen) Francesco Marino Mannoia. Der gehörte dem Clan Toto Riinas von Corleone an.

Falcone notierte: »Berlusconi hat gute Beziehungen zu Cinà«. Und: »Berlusconi zahlte 20 Millionen Lire an Grado und dasselbe an Vittorio Mangano«. Umgerechnet jeweils etwa 2000 Mark sind keine sehr große Summe, aber doch ein deutlicher Hinweis, dass der aufstrebende Bauunternehmer enge Beziehungen zur Cosa Nostra und deren Bossen Gaetano Grado und Vittorio Mangano unterhielt. Mangano wurde später als »Stallmeister« in Berlusconis Villa Arcore angestellt und hielt so den Kontakt nach Sizilien.

Bei dem in der Notiz von Falcone erwähnte »Cinà« handelt es sich um einen engen Freund von Marcello Dell’Utri, engster Vertrauter und Graue Eminenz Berlusconis. Gegenwärtig verbüßt der Ex-Senator eine siebenjährige Haftstrafe wegen krimineller Beziehungen zur Mafia. In seinem Urteil heißt es, Berlusconi habe unter seiner Vermittlung bereits in den 70er Jahren ein »Schutzabkommen« mit der Cosa Nostra abgeschlossen.

In dem Verfahren zu den Verhandlungen zwischen Staat und Mafia sind außer Dell’Utri u.a. auch die Minister Callogero Mannino und Nicola Mancino sowie ein Carabiniere-General angeklagt. Beobachter rechnen mit Urteilen im Frühjahr. Berlusconi könnte Glück haben, dass das erst nach den Parlamentswahlen sein wird und Forza Italia nochmals gut abschneidet. Oder aber aufgrund der aufgefundenen Notiz Falcones folgt ein neues Verfahren.

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