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Auf den Spuren der Dänen in Hamburg

Eine aktuelle Ausstellung im Jenisch-Haus befasst sich mit der Norddeutschen Baukultur

  • Volker Stahl, Hamburg
  • Lesedauer: 3 Min.

Dänischen Spuren im Stadtbild von Hamburg und Altona spürt die Ausstellung über die Norddeutsche Baukultur seit 1790 nach, die bis zum 24. Februar 2019 im Hamburger Jenisch-Haus zu sehen ist. Das ist der ehemalige Landsitz des Hamburger Senators Martin Johann Jenisch (1793-1857).

Den Schwerpunkt der Schau bildet die Beschäftigung mit dem Klassizismus dänischer Spielart. Er wurde von vier Architekten geprägt, die an der Kunstakademie in Kopenhagen ausgebildet worden waren: Johann August Arens (1757-1806), Axel Bundsen (1768-1832), Christian Frederik Hansen (1756-1845) und Joseph Christian Lillie (1760-1827).

Mit den Worten »Wir befinden uns hier auf dänischem Terrain« begrüßte Nicole Tiedemann-Bischop, Leiterin des Jenisch Hauses, zum Auftakt ihre Gäste. Eine kleine Provokation, aber historisch nicht ganz korrekt: Bis zum Jahre 1864 griff das dänische Königshaus zwar über mehr als vier Jahrhunderte häufig mithilfe seiner Statthalter über die Holsteiner Kanzlei in die Verwaltung Holsteins ein. Dies war möglich, weil der dänische König gleichzeitig deutscher Herzog war. Doch war Holstein, zu dem Altona und Othmarschen gehörten, deshalb aber nie dänisch, sondern blieb deutsch.

Trotzdem war der dänische Einfluss auf das Gebiet groß, wie das Beispiel Christian Frederik Hansen zeigt. Der Däne wurde zum Landbaumeister von Holstein ernannt und zog 1785 nach Altona. Dort erschuf er zahlreiche öffentliche Bauten, darunter das 1794 erbaute Waisenhaus. »Es gab eine enge Verbindung zwischen Klassizismus und der Aufklärung«, erklärt Ausstellungskuratorin Kerstin Petermann. Auch in der benachbarten Freien Stadt Hamburg baute man damals im klassizistischen Stil. Das Vorhaben wurde dort von der Patriotischen Gesellschaft gefördert, die 1765 als »Gesellschaft zur Beförderung der Künste und nützlichen Gewerbe« im Geist der Aufklärung gegründet worden war. Altona und Hamburg waren Hochburgen dieser geistesgeschichtlichen Epoche.

Einige Bauten aus dieser Zeit sind erhalten geblieben. Zum Beispiel die vom Architekten Axel Bundsen 1817 für den Reeder und Kaufmann Wilhelm Brandt konzipierte, mittlerweile unter Denkmalschutz stehende Villa, die wie eine antike Trutzburg an der Elbchaussee thront. Weil deren zweigeschossige Halle von Säulen optisch dominiert wird, ist die Villa als »Säulenhaus« bekannt. »Der in Russland als Kaufmann aktive Brandt soll auf der Krim ein Schlösschen gesehen und ausgerufen haben: So was will ich auch haben!«, erzählt Ullrich Schwarz von der Hamburgischen Architektenkammer. Der Professor hat selbst einige Fotos aus den 1920er Jahren als Leihgabe zur Ausstellung beigesteuert. Die Bilder gehören seiner Frau, deren Familie die Villa bis in die 1970er Jahre - bis zum Kauf durch die Familie von Behren - besessen hat.

1977 war das mondäne Landhaus Drehort des Wim-Wenders-Films »Der amerikanische Freund«, anschließend wurde es im Inneren umgebaut. Doch zuletzt verfiel die Villa langsam, sodass das Denkmalschutzamt gegensteuern musste - unter anderem mit einer Zwangssanierung des Dachs. Die heutige Eigentümerin lebt in Monaco und nutze sie - so erklärt ein Denkmalschützer beim Rundgang durch die Schau - als, nun ja, »Drittwohnsitz«. Aber das ist eine andere Geschichte.

Jenisch-Haus, Baron-Voght-Straße 50, 22609 Hamburg, (040) 82 87 90. Die Ausstellung »Klassisch dänisch« ist Di-So von 11-18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6,50 Euro (ermäßigt 4 Euro). Weitere Infos: www.jenisch-haus.de

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