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Geld blutet nicht

Simon Poelchau über den geplanten Saudi-Arabien-Trip von Joe Kaeser

Geld stinkt nicht, heißt eine alte Redewendung. Man könnte auch sagen, Geld blutet nicht. Nach dieser Devise handelt so wie manch anderer Konzernlenker auch Siemenschef Joe Kaeser, der nun Ende November offenbar doch auf eine Konferenz nach Saudi-Arabien reisen will.

Seine Teilnahme an der Investorenkonferenz in Riad im Oktober sagte der Manager ohnehin nur äußerst widerwillig ab. Ohne immensen öffentlichen Druck nach dem Mord an dem kritischen Journalisten Jamal Khashoggi im saudi-arabischen Konsulat in Istanbul hätte Kaeser nicht auf das Stelldichein mit den Scheichs verzichtet. Zu sehr lockten und locken milliardenschwere Aufträge für den Münchner Konzern. Kaesers Argument für seine jetzt geplante Reise, er wolle »nicht das ganze saudische Volk für die Tat verantwortlich machen und in Sippenhaft nehmen«, ist deshalb nur vorgeschoben. Letztlich geht es Siemens wie anderen Konzernen auch nur um Geschäfte. Und die lassen sich mit einem Partner wie Saudi-Arabien, dessen Taschen voller Petrodollar sind, vortrefflich machen. Moral und politische Empörung sind da zweitrangig. Sie werden nur zum Problem, wenn andere Geschäfte in Gefahr geraten oder der Ruf zu sehr geschädigt wird.

Deswegen hält sich Kaeser auch dieses Mal eine Hintertür offen. Doch letztlich wird er irgendwann nach Riad reisen. Die Deals locken zu sehr.

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