Sanders und Warren sollten sich nicht unnötig attackieren

Grabenkämpfe bei den Parteilinken der US-Demokraten nutzen nur dem Establishment - und schrecken Wähler ab

  • Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.

Jetzt wird es schmutzig in der Vorwahl der US-Demokraten zwischen den progressiven Kandidaten - und es sollte nicht so sein. Bisher hatten sich Bernie Sanders und Elizabeth Warren nicht gegenseitig attackiert, hatten lieber andere angegriffen und in den Fernsehdebatten teilweise geradezu als »Flügelfrau« und »Flügelmann« für den anderen agiert.

In einer Zeit, in der Sanders gute Chancen hat die ersten beiden Vorwahlen in Iowa und New Hampshire zu gewinnen und die Umfragewerte von Warren sinken, leakte die Kampagne der Senatorin aus Massachusetts am Wochenende ein vermeintliches Skript für Freiwillige der Sanders-Kampagne, in dem erklärt wurde, Warrens Unterstützer*innen seien vor allem gut gebildet und würden keine neuen Gruppen in die Partei bringen.

Das ist zwar durch Umfragen belegt, Sanders erreicht im Vergleich zu anderen Kandidaten mehr wenig Informierte, mehr wenig Gebildete sowie Arbeiter und er hat schon früher gezeigt, dass Unabhängige besonders für ihn stimmen. Doch das sei ein unfairer Elitarismus-Vorwurf, erklärte die Warren-Kampagne. Zwei Tage später erzählte eine »Quelle« CNN, Sanders habe Warren 2018 in einem privaten Gespräch zwischen den beiden, als die befreundeten Politiker ihre Kandidaturen diskutierten, sie werde nicht gewählt werden, weil sie eine Frau ist (Sanders hat das vehement öffentlich bestritten).

Da war es wieder, das »Bernie-Bro«-Narrativ von 2016, das die Clinton-Kampagne damals besonders bei moderaten Demokraten effektiv verankerte. Nicht nur seine Unterstützer, auch Sanders selbst sei eben ein Sexist, triefte zwischen den Zeilen hervor.

Viele Medien berichteten das gerne weiter, auch in der letzten Fernsehdebatte vor der ersten Vorwahl im Bundesstaat Iowa Dienstagnacht fragten die Moderatoren nach der »Affäre«. Online liefern sich die Unterstützer von Warren und Sanders seit Tagen schnippische Kommentarduelle. Nur wenige wiesen auf zwei Tatsachen hin: Schmutzkampagnen helfen nur dem Gegner – und das ist in diesem Fall politisch Joe Biden.

Landesweit führt Biden

Die beiden Progressiven stehen sich einander politisch deutlich näher, als sie beide ideologisch vom derzeit Führenden in den Umfragen, dem Ex-Vizepräsidenten, entfernt sind. Und: Sollte zumindest einer der beiden die Vorwahl gewinnen, braucht er danach schon in wenigen Monaten die Wähler und Unterstützer des anderen, nicht nur weil die eine eher gebildete College-Linke und der andere eher Arbeiter und Latinos erreicht. Zusammengerechnet liegen die Umfragewerte der beiden aktuell nur etwa bei 35 Prozent.

Laut Umfragen bezeichnen sich nur 50 Prozent der Demokraten als »Progressive«, auch wenn der Bedeutungsgehalt dieser Selbsteinstufung durch einige Politikwissenschaftler kritisiert wird, die gezeigt haben das die Eigencharakterisierung als »Moderater« auch als »Zufluchtsort« derer dient, die sich nicht entscheiden können oder wollen.

Das heißt, progressive Politiker werden es sehr schwer haben, mehr als 50 Prozent der Demokraten-Vorwahlwähler zu überzeugen, wenn sie schon die eigenen Unterstützer nicht vereinen können.

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