Rund 1,5 Millionen Kinder auf Hartz IV angewiesen

Minimaler Rückgang in den vergangenen drei Jahren / DGB-Vorstand Buntenbach: »Kinderarmut in einem reichen Land wie Deutschland ist und bleibt ein nicht hinnehmbarer Skandal.«

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Berlin. Die Zahl der Kinder, die auf Hartz-IV-Leistungen angewiesen sind, ist den zurückliegenden Jahren kaum gesunken. Im September 2019 lag deren Zahl bei rund 1,51 Millionen, wie aus einer Auswertung des Deutsche Gewerkschaftsbundes (DGB) von Daten der Bundesagentur für Arbeit hervorgeht. Das sei innerhalb von drei Jahren lediglich ein Rückgang um 3,1 Prozent (minus 48.000), teilte der DGB am Donnerstag mit.

Vorstand Annelie Buntenbach sprach sich für »ein beherztes Aktionsprogramm gegen Kinderarmut« aus. Sie warb für Reformen, die die kinderbezogenen Leistungen für Geringverdiener so bündeln und erhöhen, dass ein Leben unabhängig von Hartz IV möglich werde. Buntenbach: »Kinderarmut in einem reichen Land wie Deutschland ist und bleibt ein nicht hinnehmbarer Skandal.«

Sie kritisierte das Hartz-IV-System, das durch das Aufstocken zum Reparaturbetrieb für nicht existenzsichernde Löhne werde. »Deshalb gilt: Wer Kinderarmut bekämpfen will, muss den Niedriglohnsumpf austrocknen«, sagte Buntenbach. Dazu müsse der Mindestlohn einmalig über den bestehenden Anpassungsmechanismus hinaus erhöht werden. »Und es muss möglich gemacht werden, dass Tarifverträge leichter für alle Arbeitgeber verbindlich gemacht werden.«

Die DGB-Berechnungen zeigten, dass Haushalte mit Kindern von der relativ günstigen Entwicklung bei der Anzahl der Hartz-IV-Betroffene weitgehend abgekoppelt seien. »Der Rückgang der Anzahl der Kinder im Leistungsbezug entspricht weniger als einem Drittel des Rückgangs bezogen auf alle Personen«, schreiben die Autoren. Bezogen auf alle Hartz-IV-Empfänger sank den Angaben zufolge die Anzahl um zehn Prozent. Bei den erwerbsfähigen Personen im Alter zwischen 15 Jahren und dem Renteneintrittsalter betrug der Rückgang 13 Prozent.

Die Forscher betonen, dass diese Kinder arm seien und Hartz-IV-Leistungen brauchten, weil ihre Eltern arm seien und Hartz IV beziehen müssten. Dabei handelt es sich den Angaben nach keineswegs nur um Arbeitslose. Die Mehrheit der Kinder (über 840.000) lebt demnach in einem Haushalt, in dem zumindest ein Elternteil erwerbstätig ist. Darunter sind rund 500.000 Kinder, bei denen mindestens ein Elternteil sozialversicherungspflichtig beschäftigt ist. epd/nd

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