Die Afrikanische Schweinepest ist da

Erster Fall der für Haus- und Wildschweine tödlichen Virusinfektion in Deutschland trifft Spree-Neiße-Kreis

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Was für die Exportnation Deutschland bedrohlich ist, könnte sich für Brandenburgs Landwirte und vor allem für schweinehaltende Agrarbetriebe zur Katastrophe entwickeln. Deutschland hat einen ersten nachgewiesenen Fall der hochansteckenden Afrikanischen Schweinepest (ASP). Das bestätigte Bundesagrarministerin Julia Klöckner (CDU) am Donnerstag in Berlin. »Der Verdacht hat sich leider bestätigt«, erklärte Klöckner. Sie betonte, das die Tierseuche auslösende Virus sei tödlich für Schweine, und zwar sowohl Wild- als auch Hausschweine, für Menschen allerdings ungefährlich.

Am Vortag hatte Brandenburgs Verbraucherschutzministerium zunächst einen entsprechenden »amtlichen Verdachtsfall« bestätigt, nachdem im Landkreis Spree-Neiße in der Nähe der polnischen Grenze ein verendetes Wildschwein gefunden worden war. In einigen westpolnischen Grenzregionen war die Seuche bereits im November nachgewiesen worden, im Frühjahr dann auch nahe der Grenze zu Brandenburg. Auf deutscher Seite wurde daher ein 120 Kilometer langer Elektrozaun zum Schutz gegen ASP entlang der Grenze zu Polen installiert. Wegen des Verdachts war in der Nacht zu Donnerstag das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) der Gesundheit lebensmittelliefernder Tiere auf der Ostsee-Insel Riems als nationales Referenzlabor eingeschaltet worden. »Wir haben drei Proben analysiert, und die Ergebnisse sind eindeutig«, erklärte Institutsleiter Thomas Mettenleiter, der über Skype zugeschaltet war. »Bisher ist das ein Einzelfall, und wir können nicht abschätzen, wie viele Tiere in Deutschland noch betroffen sind.« Der im Spree-Neiße-Kreis aufgefundene Kadaver sei schon stark verwest. Da also bereits einige Zeit vergangen sei, könnte sich das Virus womöglich schon weiterverbreitet habe, sagte er.

»Es wird wichtig sein, das infizierte Gebiet möglichst schnell zu identifizieren, um dann entsprechend auch abgrenzen zu können«, so Mettenleiter. Ob das infizierte Tier aus dem in Westpolen identifizierten Wildschwein-Cluster stamme, müsse erst noch geklärt werden.

»Das Virus ist extrem infektiös und leicht übertragbar«, so Klöckner. Daher trete ein Maßnahmeplan in Kraft, um eine Ausbreitung der Afrikanischen Schweinepest zu verhindern. Notwendig seien nun die Einschränkung des Personen- und Fahrzeugverkehrs innerhalb des betroffenen Gebietes und Absperrmaßnahmen, auch müssten Beschränkungen beziehungsweise das Verbot der Jagd sowie der Nutzung von Agrarflächen geprüft werden. Es seien Jagdschneisen einzurichten und die Suche nach verendeten Tieren zu intensivieren. Bei Notwendigkeit seien Jäger vor Ort personell zu unterstützen. In Brandenburg werde man zunächst sogenannte Restriktionsgebiete identifizieren und absperren müssen, in denen das Auftreten der Tierseuche zu vermuten sei. Am Mittag informierte in Potsdam Verbraucherschutzministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) über erste von der Landesregierung eingeleitete Krisenmaßnahmen. Der Fundort des Wildschweinkadavers liege im Landkreis Spree-Neiße, aber sehr nah an der Grenze zum Landkreis Oder-Spree, sagte sie. Daher werde in einem Radius von mindestens 15 Kilometern um den Fundort herum ein vorläufiges Gefahrengebiet eingerichtet, das Teile beider Landkreise einschließe und auch ins Nachbarland Polen reiche.

In diesem Gebiet seien Beschränkungen vorgesehen. Angeordnet werden solle etwa ein striktes Jagdverbot, um Wildschweine nicht aufzuschrecken, sagte Nonnemacher. Möglich seien auch Nutzungsbeschränkungen für Förster und Bauern, beispielsweise ein Ernteverbot für Maisfelder. In dem Gebiet gebe es auch Schweinehalter. Der Abstand zu einem größeren Betrieb betrage etwa sieben Kilometer. Tierhalter seien bereits seit längerem für strenge Hygienevorkehrungen sensibilisiert worden. Diese Vorgaben sollen nun nochmals überprüft werden. Veranstaltungen mit Schweinen wie Hoffeste oder Landwirtschaftsschauen werden untersagt.

»Wir müssen jetzt alles versuchen, um eine weitere Ausbreitung des Seuchengeschehens zu verhindern«, sagte Nonnemacher. Später solle auch eine Kernzone eingerichtet werden. Landestierarzt Stephan Nickisch sagte, sie solle einen Radius von mindestens drei Kilometern um den Fundort haben. Die Kernzone soll dann auch eingezäunt werden, das Betreten soll verboten sein. Mit dpa

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