Nachgebohrt wegen Erdgas

Bürgerinitiative wehrt sich gegen Probebohrungen bei Zehdenick

  • Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

4100 Meter tief in einer Sandsteinschicht lagert bei Zehdenick (Oberhavel) Erdgas. Das ist bereits seit den 1970er Jahren bekannt. Entdeckt wurde der Rohstoff seinerzeit durch den volkseigenen Betrieb VEB Erdöl-Erdgas. Nun schickt sich die niederländische Firma Jasper Resources GmbH an, das Erdgas zu fördern. Aber das geht nicht von heute auf morgen. »Die Laufzeit eines Erdgasprojektes kann 40 bis 50 Jahre betragen«, erklärt die GmbH. Noch wird die Lagerstätte erkundet. Das allein kann Jahre dauern und sich weiter verzögern - nicht zuletzt auch deswegen, weil die Bürgerinitiative »Gegen Gasbohren Zehdenick-Templin-Gransee« Widerstand leistet.

Am Dienstag übergab die Bürgerinitiative am Fortunaportal des Landtags eine Petition an die Abgeordnete Carla Kniestedt (Grüne). Kniestedt ist Vorsitzende des Petitionsausschusses. Konkreter Anlass ist, dass das Landesbergamt am 5. November vergangenen Jahres die Aufsuchungserlaubnis der Firma verlängerte, die andernfalls am 8. November ausgelaufen wäre.

»In mehreren Schreiben und Gesprächen wurden das Landesbergamt und die Landesregierung umfassend und rechtlich begründet auf die Verstöße im Genehmigungsverfahren hingewiesen«, informiert Ralph Riesenberg von der Bürgerinitiative. Umfangreiche Proteste aus der Bevölkerung seien immer mit dem Argument zurückgewiesen worden, über das anzuwendende Bundesberggesetz könnten sich weder Landespolitik noch Landesbergamt hinwegsetzen. »Folgerichtig wird in der Petition gefordert«, so Riesenberg, »zu prüfen, inwieweit das Landesbergamt im Genehmigungsverfahren über die Rechtsvorschriften des Bundesberggesetzes hinweggegangen ist und welche Rechtsvorschriften mit welcher Begründung zur Anwendung kamen.«

Es wird beispielsweise angezweifelt, dass Jaspers glaubhaft machen konnte, die erforderlichen Mittel für die Aufgabe aufbringen zu können. In diese Richtung zielt auch eine Kleine Anfrage, die der Landtagsabgeordnete Andreas Büttner (Linke) gemeinsam mit der Abgeordneten Christine Wernicke (Freie Wähler) an die rot-schwarz-grüne Landesregierung stellte. Büttner lehnt Erdgasbohrungen in der Region »kategorisch ab«. Er sagt: »Bereits zu DDR-Zeiten wurden geologische Untersuchungen durchgeführt, die ergeben haben, dass es sich bei dem Gas um sogenanntes Schwachgas handelt, welches man veredeln müsste. Der Aufwand ist aus meiner Sicht nicht tragbar vor dem Hintergrund der kaum abzuschätzenden Umwelt- und Gesundheitsrisiken. Hier wird mit Wissen und Wollen der Landesregierung eine Region mit einer intakten Umwelt auf dem Altar der Erdgasindustrie geopfert.« Das sei nicht akzeptabel.

Zwar versicherte das Unternehmen bereits vor zwei Jahren: »Jasper verpflichtet sich, in allen Aktivitäten mögliche Gefährdungen von Mensch und Natur auszuschließen.« Die Bürgerinitiative bleibt aber misstrauisch und wehrt sich schon seit mehr als zwei Jahren gegen Erdgasbohrungen in der Region. Anwohner fürchten das höhere Risiko, in Depressionen zu verfallen, an Schlafstörungen zu leiden oder an Krebs zu erkranken. Angst macht auch die Vorstellung, dass infolge der Arbeiten das Grundwasser verdorben wird und der Boden absackt, wodurch an Hausfassaden Risse entstehen. Einer der Verbündeten in der Politik ist Templins Bürgermeister Detlef Tabbert (Linke), der sich unter anderem um den Tourismus sorgt. »Die Risiken sind zu groß, und wer will schon auf einem Erdgasfeld Urlaub machen«, sagte er im März 2019 bei einer Informationsveranstaltung der Bürgerinitiative in der Naturtherme Templin.

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