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+++ Corona bremst Konzertbetrieb von Neonazis laut Linke nur vorübergehend +++

Der Newsblog zur Coronakrise, Donnerstag 18. Februar 2021: +++ Vor G7-Gespräch: Mehr Hilfe für arme Länder gefordert +++ Debatte um Astrazeneca-Impfstoff: Immunologe für dritte Nachimpfung +++

  • Lesedauer: 4 Min.

Dresden. Die Linken sehen trotz rückläufiger Zahlen die rechtsextreme Musikszene in Sachsen weiter sehr aktiv. »Die Corona-Pandemie dürfte die Zahl der Nazi-Konzerte in Sachsen nur vorübergehend senken«, erklärte die Landtagsabgeordnete Kerstin Köditz und forderte die Sicherheitsbehörden zum Eingreifen auf. Die 53 Jahre alte Politikerin fragt im Parlament regelmäßig Daten zur rechtsextremen Szene ab. Aus einer Antwort des Innenministeriums auf eine Kleine Anfrage geht nun hervor, dass es im Vorjahr mindestens 19 Musikveranstaltungen Rechtsextremer gab, darunter neun Rockkonzerte, sechs Liederabende sowie einige politische Events mit musikalischer Begleitung. Dabei traten etwa zwei Dutzend verschiedene Bands und Interpreten auf.

Die Werte seien vorläufig und als eine Untergrenze zu verstehen, denn laut Innenministerium lägen »Erkenntnisse vor, die aus Gründen der Geheimhaltung nicht mitgeteilt werden können«, zitierte Köditz aus der Antwort. Dennoch sei die Gesamtzahl stark rückläufig. 2019 waren noch um die 50 Konzerte und Liederabende aktenkundig geworden. Der jüngste Rückgang sei zu begrüßen: »Allerdings ist er kein Ergebnis eines staatlichen Einschreitens, sondern eine vermutlich nur vorübergehende Folge der Pandemie-Eindämmung.« So seien mehrere Veranstaltungen wegen des Infektionsschutzgesetzes verboten worden. Die meisten Konzerte fanden im nordsächsischen Staupitz statt.

»Von einer nachhaltigen Schwächung der rechten Szene, für die Konzerte und insbesondere der klassische 'Rechtsrock' ein wichtiges Propagandamittel und eine bedeutsame Einnahmequelle sind, gehe ich derzeit nicht aus«, sagte Köditz der Deutschen Presse-Agentur. Nach Angaben des Innenministeriums seien im vergangenen Jahr insgesamt 22 rechtsextreme Bands und Liedermacher aktiv gewesen, die in Sachsen beheimatet sind. Es seien etliche neue Alben produziert worden. Die Vermarktung laufe ungebrochen weiter. Das Ministerium liste aktuell neun rechtsextremistische Vertriebsunternehmen im Freistaat auf.

+++ Vor G7-Gespräch: Mehr Hilfe für arme Länder gefordert +++

Berlin. Vor dem Online-Treffen der sieben großen Wirtschaftsmächte (G7) haben Entwicklungsorganisationen einen globalen Impfplan und stärkeres Engagement im Kampf gegen das Coronavirus gefordert. Ärmeren Ländern müsse mehr geholfen werden. Von der am Freitag tagenden G7-Runde, an der erstmals auch der neue US-Präsident Joe Biden teilnimmt, werden auch Finanzzusagen für den Kampf gegen die Pandemie und die Verteilung von Impfstoffen erwartet.

Das Kinderhilfswerk World Vision begrüßte am Donnerstag die erwarteten Verpflichtungen, dringt aber auch auf mehr politisches Engagement. »Geld allein ist nur Teil der Lösung«, meinte Fiona Uellendahl. Der Zugang zu Impfstoffen und Medikamenten müsse erleichtert werden. Auch müssten ärmere Länder dazu befähigt werden, möglichst rasch selbst Produktionskapazitäten aufzubauen.

Von den G7-Staaten fordert One eine »sorgfältige Planung«, um die globale Verteilung von Impfstoffen zu verbessern. Die Weitergabe müsse beginnen, bevor potenzielle Geberländer anfingen, überschüssige Impfdosen anzusammeln. »Solange das Virus irgendwo auf dem Planeten unkontrolliert bleibt, wird es weiter mutieren, Grenzen überschreiten und in der Gesellschaft und der Weltwirtschaft verheerenden Schaden anrichten«, heißt es in einer One-Analyse.

+++ Debatte um Astrazeneca-Impfstoff: Immunologe für dritte Nachimpfung +++

Berlin. In der Diskussion um die Wirksamkeit des Astrazeneca-Corona-Impfstoffs schlägt der Generalsekretär der Deutschen Gesellschaft für Immunologie, Carsten Watzl, eine Nachimpfung mit einem anderen Mittel vor. »Man kann die Immunität, die man mit dem Astrazeneca-Impfstoff ausgelöst hat, ohne Probleme mit einem mRNA-Impfstoff später noch einmal verstärken«, sagte Watzl der »Augsburger Allgemeinen« (Donnerstag). Spätestens ab dem vierten Quartal stünden mehr Impfdosen zur Verfügung als für eine zweifache Impfung der Gesamtbevölkerung nötig wären, argumentierte der Dortmunder Professor. »Es wäre deshalb kein Problem, eine dritte Impfung mit einem mRNA-Impfstoff nachzuholen.«

Dies könne ohnehin wegen der Varianten des Coronavirus ratsam sein. »Es wäre ein Leichtes für die Bundesregierung, eine neuerliche Impfung mit einem mRNA-Impfstoff zu garantieren, wenn wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, dass die Menschen dadurch besser geschützt wären«, sagte der Immunologe.

Watzl betonte: »Das Mittel von Astrazeneca ist ein sehr guter Impfstoff, auch wenn die anderen noch ein bisschen besser sind.« Durch den in Deutschland verlängerten Abstand zwischen erster und zweiter Dosis werde die Wirksamkeit von Astrazeneca mutmaßlich auf 80 Prozent erhöht. Der Impfstoff biete einen deutlichen Schutz vor einer Corona-Erkrankung, der um ein Vielfaches besser sei, als wenn nicht geimpft sei.

+++ Mehr als 10.000 Neuinfektionen registriert - Bundesweite Inzidenz stagniert bei 57 +++

Berlin. In Deutschland sind binnen eines Tages 10.207 Neuinfektionen mit dem Coronavirus registriert worden. Wie das Robert-Koch-Institut (RKI) am Donnerstag unter Berufung auf Daten der Gesundheitsämter mitteilte, wurden innerhalb von 24 Stunden zudem 534 weitere Todesfälle im Zusammenhang mit Covid-19 verzeichnet. Die Gesamtzahl der verzeichneten Corona-Toten in Deutschland erhöhte sich damit auf 66.698.

Die Gesamtzahl der nachgewiesenen Infektionen mit dem Coronavirus in Deutschland seit Beginn der Pandemie stieg auf 2.360.606. Die Zahl der von einer Corona-Infektion genesenen Menschen bezifferte das RKI auf rund 2,165 Millionen.

Die sogenannte Sieben-Tage-Inzidenz stagniert bei 57,1. Bei der Sieben-Tage-Inzidenz handelt es sich um die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohnern innerhalb dieses Zeitraums. Ziel der Bundesregierung ist es, den Wert auf unter 35 zu drücken. Agenturen/nd

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