Grüße zum 75.: Was andere am »nd« schätzen

Zum nd-Geburtstag haben wir andere gefragt, was sie von uns halten

  • Lesedauer: 5 Min.

Gemeinsam engagiert gegen rechts

Bianca Klose, Projektleiterin der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin

Die Mobile Beratung gegen Rechtsextremismus Berlin wird 20, das »nd« 75 – als wir entstanden, wart ihr längst da. Doch seit 20 Jahren teilen wir eine gemeinsame Geschichte: Wir beobachten beide die Themen Rechtsextremismus, Rassismus und Antisemitismus – und das »nd« ist nicht nur eine der wenigen Tageszeitungen, die kontinuierlich darüber berichten, sie ist wie wir in diesem Bereich auch früher informiert als andere. Und wir haben meist ähnliche Einschätzungen.

Natürlich gibt es auch eine Berichterstattung, die uns direkt betrifft. Wichtiger als die regelmäßige Berichterstattung über diese Themen oder über Projekte wie unseres ist aber die klare und unbeirrbare Haltung des »nd«. Das ist keineswegs selbstverständlich, betrachtet man den geradezu weltweiten Rechtsruck in den letzten Jahren, der auch und gerade in der Mitte der Gesellschaft stattfindet. Und der auch bei den Medien zumindest Verunsicherung über den Umgang damit hervorgerufen hat.

Anders als bei anderen Medien, anders als oft auch in Politik und Verwaltung, die im Ernstfall auf Einschätzungen und Meldungen von Polizei und Verfassungsschutz zurückgreifen, können wir sicher sein, dass unsere Einschätzungen und Veröffentlichungen in der nd-Redaktion aufmerksam zur Kenntnis genommen werden. Mehr noch, hier sitzen Journalist*innen, die sich auskennen, die oft Erfahrung aus praktischer Berichterstattung vor Ort haben und die zudem regelmäßig bei uns anfragen. Denn auf die Schnelle eine präzise Einschätzung zu haben und sie beständig zu aktualisieren, das ist in eurem und unserem Tagesgeschäft essenziell!

Wir hoffen, dass das »nd« weiterhin standhaft die engagierte Zivilgesellschaft begleitet und auf seine Weise Teil derselben ist. Dafür schauen wir auch gerne darüber hinweg, dass euch die korrekte Wiedergabe unseres Projektnamens auch nach 20 Jahren mitunter noch Probleme bereitet …

Klare Kante, aber immer fair

Maren Kern, Vorständin des Verbands Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen e.V.

Klare Kante, klare Farbgebung, aber immer auch klar fair: Das sind Eigenschaften, die ich mit dem »nd« verbinde. Ein solches Lob, ausgerechnet von mir als Vorständin von Berlins größtem Eigentümerverband? Ja: Das »nd« hat sein ideologisch verankertes Fundament – wie bei einer »sozialistischen Tageszeitung« auch gar nicht anders zu erwarten und völlig legitim –, das sich in Themenauswahl, Nachfragen bei Pressekonferenzen oder Kommentaren wiederfindet. Aber: Einseitig ist es dabei nicht. Wenn ein Thema alle anderen Berliner Tageszeitungen dominiert, findet es sich natürlich auch im »nd« wieder – das dann aber meist noch eine weitere Facette aufzeigt. Und oft lese ich auf den »Hauptstadtregion«-Seiten auch Geschichten, die nur das »nd« bringt.

Damit ist das »nd« eine zwar kleine, aber nichtsdestotrotz wichtige Stimme in der Berliner Medienlandschaft. Und ich erinnere mich noch gut daran, wie 2010 in der damaligen Diskussion um ein Berliner Klimaschutzgesetz ein Interview mit mir im »nd« mich an einen Punkt führte, an dem die fundierten Einwände gegen den Entwurf schließlich zu dessen Aufgabe führten.Es wäre schön, wenn sich das »nd« – gerade auch mit Blick auf die Ursprünge des Blattes 1946 – diesen freien und trotz aller politischen Verankerung unabhängigen Geist weiterhin bewahrt: zum Beispiel in der Enteignungsdebatte, in der es immer wieder auch Kritiker an der Initiative zu Wort kommen lässt. Und genau davon lebt ja die Demokratie: Freiheit ist immer die Freiheit der Andersdenkenden.

Das Wort den Betroffenen

Sebastian Koch, Netzwerk Seebrücke

Menschenrechtsbrüche sind an Europas Außengrenzen noch immer an der Tagesordnung. Zehntausende Menschen harren dort in unwürdigen Lagern aus, allein in diesem noch jungen Jahr sind schon Hunderte Menschen bei der tödlichen Überfahrt über das Mittelmeer ertrunken. Die europäische Asylpolitik verhöhnt die Begriffe der Menschenwürde und der Menschenrechte. Dabei sind diese eigentlich unverhandelbar.

Es braucht linke Zeitungen wie das »nd«, die diese grundlegende humanistische Überzeugung teilen und als Sprachrohr linker Bewegungen die Verantwortlichkeiten für diese Zustände benennen und gleichzeitig solidarische Lösungen aufzeigen. In unseren Augen ist es elementar wichtig, in der deutschen Medienlandschaft vor allem Betroffene zu Wort kommen zu lassen und ihre Perspektive sichtbar zu machen. Hier gibt es sicherlich noch Nachholbedarf. Gleichzeitig brauchen Bewegungen auch Medien, die die Aktionen und Aufnahmebereitschaft der breiten Zivilgesellschaft in ihren Berichten widerspiegeln.

Wir hoffen, dass das »nd« auch in Zukunft die Themen Flucht und Seenotrettung intensiv mit gewohnt guter und fundierter Recherche auch abseits der Mainstream-Themen begleiten kann und somit weiterhin seinen Beitrag auf dem Weg zu einer vielfältigeren, diskriminierungsfreieren Gesellschaft leistet.

Das Ohr an der Bewegung

Initiative Stadt von Unten

»Modellprojekt nicht von Pappe« befindet »nd« bereits wenige Monate nachdem wir, die Initiative Stadt von Unten, uns im Frühjahr 2014 gegründet haben. Hinter diesem »Modellprojekt« verbirgt sich unsere konkrete Utopie für das sogenannte Dragoner-Areal in Friedrichshain-Kreuzberg – für 100 Prozent wirklich bezahlbaren Wohnraum, kommunal und selbstverwaltet. Auch unseren Kampf gegen die Privatisierung des Geländes durch den Bund und für eine kooperative Entwicklung des Geländes gemeinsam mit Senat und Bezirk begleitet die Zeitung bis heute.

So großes Interesse zeigen die Journalist*innen des Berlin-Teils nicht nur an uns. Sie berichten ausführlich über die gesamte stadtpolitische Bewegung. Und die kommt, wie in keiner anderen Zeitung, auch selbst zu Wort. Von Mediaspree versenken über den Volksentscheid zum Tempelhofer Feld, die Debatte um den sozialen Wohnungsbau, Zwangsräumungen oder den Mietenvolksentscheid bis zur Kampagne Deutsche Wohnen & Co enteignen – stets hatte das »nd« sein Ohr an der Bewegung. Wo andere Zeitungen ausschließlich auf Stimmen aus Politik, Verwaltung und Immobilienwirtschaft setzen, wenn es ums Thema Stadtentwicklung geht, hat »nd« schon früh erkannt: Da haben auch andere was dazu zu sagen.

Damit ist die Zeitung eine wichtige Plattform für Berlins stadt- und mietenpolitische Bewegung geworden und liefert zugleich wichtige Informationen für diese Bewegung durch gut recherchierte Artikel. Darauf wollen wir auch in Zukunft nicht verzichten. Zum 75. Geburtstag gratulieren wir der Zeitung zu dieser jüngsten Geschichte!

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