Oberbulle

Jesse Marsch wird neuer Trainer der Fußballer von RB Leipzig

  • Alexander Ludewig
  • Lesedauer: 2 Min.

Der Wechsel von Julian Nagelsmann zum FC Bayern wird noch immer heiß diskutiert. Auch, weil er den Weg von Leipzig nach München für kolportierte 25 Millionen Euro gehen wird. Die bislang mit Abstand höchste Ablösesumme für einen Trainer widerspricht der beschworenen Demut des Profifußballs in der Krise. Aber daran glauben eh nur Selige.

Viele Vereine hätte ein solch rascher Verlust des Erfolgstrainers in Schockstarre versetzt. Nicht so die Red-Bull-Filiale in der Messestadt. Am Donnerstag, zwei Tage nach dem angekündigten Abgang von Nagelsmann, präsentierte RB den US-Amerikaner Jesse Marsch als Nachfolger. Diese Personalie erregt weit weniger Aufsehen - weil der 47-Jährige die logische Lösung in Leipzig ist.

Der Mittelfeldspieler Marsch verbrachte seine gesamte Karriere in der nordamerikanischen Major League Soccer. Der Trainer Marsch fand schnell in die Red-Bull-Gruppe. 2015, in seinem ersten Jahr bei den New York Red Bulls, wurde er Trainer des Jahres in der Liga. Drei Jahre später kam Marsch zum ersten Mal nach Leipzig, als Co-Trainer von Ralf Rangnick. Der nächste Entwicklungsschritt führte ihn 2019 zu Red Bull Salzburg. Im Sommer wird er nun Oberbulle, denn Leipzig ist der Gipfel im Red-Bull-System. Dort soll der Erfolg des weltweiten Geflechts kulminieren - weil Bundesliga und Champions League die besten Werbebühnen im Fußball für die Power-Brause bieten.

Marsch ist - um im Sprachbild der selbst ernannten Roten Bullen zu bleiben - nicht der erste Zuchtbulle, der in der Leipziger Arena auftreten darf. 18 Fußballer aus Salzburg sind dort schon zu RasenBallsportlern geworden. Man muss dieses Fußballkonstrukt nicht mögen. Marsch sieht es pragmatisch. »Wenn man mich fragt, welcher Klub am besten zu mir passt, ist Leipzig eine Top-Idee.« Denn Fakt ist: Die Struktur von RB mit weniger Sentimentalitäten und Entscheidungswegen als bei vielen Traditionsvereinen ist erfolgreich. Gute Arbeit inklusive.

Wie fragwürdig das System ist, zeigt die Tatsache, dass Red Bull Salzburg auf europäischer Bühne als FC Salzburg spielen muss. Der mögliche Verdacht von Wettbewerbsverzerrung - einfach wegretuschiert. Apropos Salzburg: Nachfolger von Marsch ist Matthias Jaissle vom FC Liefering, Red Bulls Farmteam in Liga zwei.

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