Thälmann-Denkmal in Berlin beschmiert

Vier Wochen nach der Reinigung wieder großes Graffito entdeckt

  • Von Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Vier Wochen lang sah das riesige Ernst-Thälmann-Denkmal an der Greifswalder Straße in Berlin so aus wie im Jahr 1986, als es der sowjetische Bildhauer Lew Kerbel zu Ehren des 1944 im KZ Buchenwald ermordeten KPD-Vorsitzenden vollendet hatte. Jetzt ist es wieder beschmiert, wie man es leider seit 30 Jahren gewohnt ist. Unmittelbar vor dem 135. Geburtstag Thälmanns am 16. April hatten drei Arbeiter der Firma Sperling Reinigungstechnik das Denkmal im Auftrag des Bezirksamts Pankow gereinigt. Fast zwei Tage dauerte das. Von da an bis zu einer Kundgebung am 17. April standen Genossen der Deutschen Kommunistischen Partei (DKP) rund um die Uhr Mahnwache und hatten dabei ein Auge auf die Bronzeskulptur, damit sie nicht sofort wieder mit Graffiti besprüht wird.

Es hat länger gedauert, als zu erwarten war. Aber nun ist es geschehen. Anwohner und Passanten sehen jetzt auf einer Fläche von mehreren Quadratmetern in Großbuchstaben »Fick« auf den Sockel des Denkmals geschmiert. Das obszöne Wort ist in Goldfarbe gesprüht und mit roten und schwarzen Rändern versehen. Seitdem das dort zu lesen steht, sind immerhin bis Sonntag keine weiteren Graffiti hinzugekommen. Der Normalzustand der vergangenen Jahre ist ein an allen vier Seiten vom Sockel bis hoch auf die Bronzebürste bunt besprühtes Denkmal.

DKP-Landeschef Stefan Natke bemerkte den Schriftzug bereits am Mittwoch - am Dienstag war er definitiv noch nicht da - und erstattete bei der Internetwache der Polizei umgehend Anzeige gegen Unbekannt. Seine Kenntnis nach haben das unabhängig von ihm auch andere getan. In das Formular einzutragen ist der Geschädigte. Dort hat Natke vermerkt, in erster Linie sei das Bezirksamt Pankow geschädigt, denn es habe die Reinigung schließlich bezahlt. »Im Grunde sind wir aber alle geschädigt«, sagt Natke.

Bei dem Verursacher der Beschmutzung handelt es sich offenbar um einen Wiederholungstäter. Denn in fast genau dieser Machart befand sich dieser Schriftzug auch vor der Reinigung auf der Frontseite des Denkmals, nur leicht nach links versetzt. Das beweist ein Foto, das in der nd-Ausgabe vom 16. April erschien und einen der Arbeiter der Firma Sperling zeigt, wie er gerade mit einem Hochdruckreiniger den Sockel abspritzt.

»Ehrlicherweise ist kein Szenario realistisch vorstellbar, in dem das Denkmal dauerhaft mit ordnungsrechtlichen oder chemischen Mitteln vor Graffiti geschützt werden kann«, bedauert Bezirksbürgermeister Sören Benn (Linke). 2022 soll es aber restauriert und mit kommentierenden Stelen versehen werden. Dazu gehören dann die Sanierung des Sockels und ein Schutzanstrich. Das würde das Entfernen von Graffiti künftig erleichtern.

In der DDR gab es sehr viel mehr Thälmann-Denkmale und Thälmannstraßen als heute. Allein rund 600 Straßen haben die Welle der Umbenennungen in den 1990er Jahren aber überdauert und auch einige Denkmale sind erhalten geblieben wie das am Standbad von Müllrose (Oder-Spree). Es steht hier ungefähr so lange wie das Denkmal in Berlin - mittlerweile etwas verwittert, aber sauber.

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