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Alt, gebildet, engagiert

Nicht selten übernehmen Senioren die zeitintensiven Führungspositionen in Vereinen

  • Von Wilfried Neiße
  • Lesedauer: 3 Min.

Wie der neue Sozialreport »Zur Situation Älterer in Brandenburg« hervorhebt, existiert in Brandenburg ein vergleichsweise großes Interesse älterer Einwohner am Bundesfreiwilligendienst. Für die Teilhabe älterer Bürgerinnen und Bürger am gesellschaftlichen Leben spielen Vereine eine zentrale Rolle, hält der Bericht fest.

7,2 Vereine je 100 000 Einwohner

Mit 7,2 Vereinen je 1000 Einwohner bildet Brandenburg zwar fast den Bundesdurchschnitt ab (7,3), doch ist es das einzige Bundesland, in dem in den vergangenen Jahren ein wenn auch geringer Rückgang der Vereinszahlen zu konstatieren ist. »Von einigen Kommunen, etwa Frankfurt (Oder) wird, gemessen am Stand von 2006, von einem Rückgang der Vereinszahlen um bis zu einem Viertel berichtet.« Dennoch stieg die Zahl der Menschen, die sich regelmäßig engagieren, auch in Brandenburg stetig. Im vergangenen Jahr teilte die rot-schwarz-grüne Landesregierung mit, dass sich rund 843 000 Brandenburger regelmäßig gesellschaftlich und für ihre Mitbürger engagieren. Das bedeute ein Wachstum von 35 Prozent innerhalb von 15 Jahren. »Männer wie Frauen, Junge wie Alte wollen unser Land mitgestalten, weil sie sich mit ihrem Land identifizieren.«

Vereinsleben dort, wo sonst nichts los ist

Offen bleibt, inwieweit dies auch ein Reflex auf fehlende andere Angebote ist und die Leute nach Bert Brechts Motto verfahren: »Um uns selber müssen wir uns selber kümmern.« Das würde auch den Befund des Reports erklären, wonach das freiwillige Engagement in ländlichen Regionen deutlich ausgeprägter ist als in den städtischen Zentren. Das Ehrenamt hängt nicht zuletzt auch vom Bildungsstand ab. »75-Jährige mit hoher Bildung sind mit 39 Prozent mehr als doppelt so häufig ehrenamtlich aktiv wie ihre Altersgefährten mit geringer Bildung (18 Prozent)«, hält der Report fest.

Auch 30 Jahre nach dem Ende der DDR gehört die Quote des Mitwirkens in Vereinen zu den Unterschieden zwischen Ost und West. Sie liegt in den neuen Bundesländern traditionell unter denen der alten. »Für Brandenburg gilt diese im Vergleich niedrige Quote übrigens, obwohl die Ehrenamtlichen in keinem anderen Bundesland so häufig eine Vergütung erhalten wie in Brandenburg.« 15 Prozent der Ehrenamtler können immerhin mit zumeist geringen Zuwendungen rechnen, im Saarland seien es beispielsweise nur sieben Prozent, wird im Report erklärt.

Der Anteil der engagierten über 65-Jährigen liegt mit 32,1 Prozent im Deutschland-Vergleich im unteren Bereich. In Baden-Württemberg, dem Spitzenreiter, sind es 43,1 Prozent, beim Schlusslicht Sachsen-Anhalt 25,4 Prozent. Geradezu verblüffend jedoch ist das Interesse älterer Brandenburger am Bundesfreiwilligendienst, der doch eher als Domäne der Jüngeren gilt. In Brandenburg liegt der Anteil der über 65-jährigen mit vier Prozent vier Mal höher als im Bundesdurchschnitt. Senioren engagieren sich zehn Prozent mehr als Seniorinnen und insgesamt übernehmen Ältere nicht selten die zeitintensiven Führungspositionen im Ehrenamt.

Größter Verband ist die Volkssolidarität

Bei der Untersuchung der Inhalte der gesellschaftlichen Tätigkeit hat sich ergeben, dass ältere Menschen den politischen Bereich eher verlassen als jüngere, und dass sie mehr im sozialen Bereich zu finden sind. Hier kümmern sich die Senioren sehr oft um andere ältere Menschen. Der mit Abstand größte Zusammenschluss in Brandenburg ist dabei mit über 25 000 Mitgliedern der aus der DDR stammende Sozialverband Volkssolidarität. »Die Pflege und Betreuung von Verwandten wird anteilig am häufigsten von den 55- bis 64-jährigen übernommen. 18,2 Prozent pflegen jemanden außerhalb des eigenen Haushalts und 11,4 Prozent im eigenen Haushalt«, steht in dem Bericht. Frauen, die zwischen 1950 und 1959 geboren wurden, betreuen mit einer Wahrscheinlichkeit von 24 Prozent ihre Enkel, bei Männern sind es 16 Prozent.

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