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Müggelsee statt Malle

Das beliebte Strandbad an Berlins größtem See wird denkmalgerecht saniert

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 4 Min.
Fragwürdiges Timing: Weil die Sanierung des Strandbads anläuft, sind mitten in der Saison Haupteingang und Funktionsgebäude dicht.
Fragwürdiges Timing: Weil die Sanierung des Strandbads anläuft, sind mitten in der Saison Haupteingang und Funktionsgebäude dicht.

Endlich ist Baustart am Strandbad Müggelsee, wenn auch um Jahre verspätet und mitten in den Ferien, auf dem Höhepunkt der Badesaison. Ist doch die öffentlich gut erreichbare Anlage nicht zuletzt wegen des freien Eintritts gerade bei Familien sehr beliebt. Am Mittwochnachmittag haben Oliver Igel (SPD), Bezirksbürgermeister von Treptow-Köpenick, und für den Bund Kulturstaatsministerin Monika Grütters (CDU) die Baustelle zur denkmalgerechten Sanierung der Anlage eröffnet. Diese wurde 1929/30 nach Plänen der Architekten Friedrich Hennings und Martin Wagner erbaut, der auch das Strandbad Wannsee konzipiert hat, anstelle einer zuvor abgebrannten Badeanstalt.

Seit Mitte Juni versperren Bauzäune das geschwungene, weiß-blaue Eingangsgebäude am Fürstenwalder Damm im Köpenicker Ortsteil Rahnsdorf. Damit ist auch der Zugang über die lange »Show-Treppe« zum 250 Meter breiten Sandstrand gesperrt. Die gesamte Uferlinie ist 830 Meter lang. Bagger und Bautechnik sind vor drei Wochen angerückt, die längst laufenden Arbeiten mussten für den offiziellen Termin ruhen. Alle Strandbereiche sind aber auch weiterhin gut bevölkert, wobei Sonnenanbeter und Badende einen Umweg über den kleinen Parkplatz nehmen müssen und vom Baugeschehen an den Gebäuden durch Zäune und Sichtschutzwände abgeschirmt werden.

Grundlegend hat sich die Gestalt des Strandbades Müggelsee in den vergangenen 91 Jahren nicht verändert. Historisch wertvoll macht es die in den 1920er Jahren noch außergewöhnliche Anwendung der Stahlbeton-Skelettbauweise. Sein baulicher Zustand allerdings ist beklagenswert. Die längst denkmalgeschützten Bauten mit der Eingangshalle und dem Terrassengebäude sind wiederholt umgebaut worden und meist baufällig. Schlimm sieht es im Ladenbereich des Untergeschosses und den ebenso als Arkaden angelegten Seitenflügeln aus. Im Ostflügel, wo sich neben den Umkleiden auch der Sanitärtrakt befand, sind nur noch die WCs in Betrieb. Viele Einrichtungen sind nach dem Rückzug der Berliner Bäderbetriebe, für die sich das Strandbad nicht rechnete, nach 2006 aufgegeben worden. Eigens für ein Imbissangebot und den Verkauf von Strandutensilien wurde ein Provisorium aufgebaut.

Nun soll der ursprüngliche Bauzustand im Denkmalbereich wiederhergestellt werden, Um- und Erweiterungsbauten aus DDR-Zeiten wie etwa die Treppe sollen beseitigt werden. Und obwohl erste Finanzierungszusagen schon 2015 vorlagen und als Baufertigstellung zwischenzeitlich 2019 im Gespräch war, soll es jetzt hurtig gehen. Für 12,7 Millionen Euro, die sich Bezirk, Senat und Bund teilen, soll 2024 alles fertig sein. So versicherte es der Bezirksbürgermeister, was die Kulturstaatsministerin mit einem »Sehr ambitioniert, Herr Igel, viel Erfolg dabei« quittierte.

»Über allem steht, dass wir als Stadt, als Bezirk Treptow-Köpenick dieses Strandbad als Erholungsort für die Menschen in dieser Region und auch gern noch ein Stück darüber hinaus möglichst ohne große Kosten zur Verfügung stellen wollen«, erklärte Oliver Igel. Ein Anliegen sei es dabei auch, ganz im Geiste Wagners, Menschen, »die sich keine weite Badereise leisten können«, einen Ort der Erholung zu bieten. Dafür habe der Bezirk 2006 die Verantwortung übernommen und sichere seither in Zusammenarbeit mit den Vereinen Bürger für Rahnsdorf und Agrarbörse Deutschland Ost den Badestrand bei kostenlosem Eintritt. »Für viele Leute, die es nicht so ›dicke‹ haben, ist das die Möglichkeit zu sagen: Müggelsee statt Mallorca. Hier können wir uns Urlaub leisten.«

»Das Strandbad Müggelsee ist als die ›Riviera des Ostens‹ bekannt«, gab die Kulturstaatsministerin zum Besten. Sie schien mit einem lachenden, aber angesichts der für ihr Haus doch erheblichen Kosten auch mit einem weinenden Auge auf das marode Denkmal zu schauen. Vier Millionen Euro, die der baugeschichtliche Wert und die große öffentliche Anteilnahme an seinem Erhalt aber rechtfertigten. »Als Zeuge seiner Zeit steht es exemplarisch für den Stil der neuen Sachlichkeit und reiht sich damit ein in die Liste national bedeutender Kulturdenkmäler«, sagte sie. »Mit dem Baustart zur denkmalgerechten Sanierung wird das ›alte‹ Strandbad Müggelsee in Anlehnung an seine Ursprünge saniert und gleichzeitig für eine neue, ganzjährige Nutzung ertüchtigt.«

Wie Oliver Igel dem »nd« versicherte, bleibe es nach der Sanierung beim kostenlosen Eintritt. Alle Gebäude sollen modern ausgebaut und ganzjährig nutzbar sein. Läuft alles wie geplant, wird auch das in der DDR erbaute Multifunktionsgebäude aufgemöbelt.

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