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Prignitz-Express soll klimafreundlich werden

Sämtliche Regionalzüge zwischen Berlin und Wittenberge sollen ab 2028 batterie- oder wasserstoffelektrisch betrieben werden

  • Von Tomas Morgenstern
  • Lesedauer: 3 Min.

Brandenburg und Berlin wollen den in die Jahre gekommenen Prignitz-Express für die Herausforderungen der Verkehrswende rüsten. Gemeinsam mit dem Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) und der Deutschen Bahn sollen auf dem Gleiskorridor zwischen der Bundeshauptstadt und Wittenberge im Landkreis Prignitz ab 2028 ausschließlich klimafreundlich betriebene Züge verkehren. »Für den Prignitz-Express lässt der VBB nun mit Hilfe eines Gutachters untersuchen, welche Fahrzeuge zukünftig zum Einsatz kommen können«, kündigten die Partner am Mittwoch in einer gemeinsamen Pressemitteilung an. Resultate erwarte man im Herbst.

Der Prignitz-Express ist ein Produkt der 90er Jahre, als das Land Brandenburg auf das regionale Entwicklungskonzept der »Dezentralen Konzentration« setzte. Ein Baustein darin waren auch schnelle Eisenbahnverbindungen zwischen der Landeshauptstadt Potsdam und den städtischen Entwicklungszentren in der Fläche und an der Peripherie des Bundeslandes. Auf der ab 1997 ausgebauten Strecke der Regionalexpress-Linie RE6 verbinden Züge der Deutschen Bahn Wittenberge in der strukturschwachen Prignitzregion über Neuruppin, Wittstock/Dosse und Pritzwalk mit Hennigsdorf (Oberhavel), die dann im weiten Bogen über Berlin-Spandau nach Berlin-Gesundbrunnen weiterfahren.

Größtes Manko des 1994 beschlossenen und 2008 vollendeten Projekts ist das Fehlen einer Oberleitung, die einen örtlich emissionsfreien elektrischen Zugbetrieb ermöglichen würde. Inzwischen zählt die Strecke zwischen Wittenberg und Hennigsdorf zu den letzten im Lande, auf denen bislang ausschließlich mit Diesel gefahren werden kann. Im VBB-Gebiet sind bereits 84 Prozent der Schienenverkehre elektrisch unterwegs, heißt es in der Mitteilung vom Mittwoch. Man wolle in den nächsten Jahren auch die letzten Linien mit Dieselantrieb auf umweltfreundlichere Antriebe umstellen. Als Alternativen stehen beim Prignitz-Express elektrische Antriebsvarianten zur Wahl, die von Batterien oder von mit Wasserstoff gespeisten Brennstoffzellen versorgt werden. Wenn die Ergebnisse des Gutachtens vorliegen, soll noch 2021 über das System entschieden werden.

»Nach dem Netz Ostbrandenburg und der Heidekrautbahn wollen wir auf Basis des Gutachtens den Prignitz-Express als drittes Vergabenetz mit alternativen Antrieben an den Start bringen«, erklärte VBB-Chefin Susanne Henckel. »So bauen wir den Klimavorsprung des umweltfreundlichen Nahverkehrs im Verbundgebiet Berlin-Brandenburg weiter aus und tun gleichzeitig etwas für die Verkehrswende.«

Im Infrastrukturprojekt i2030 ist vorgesehen, dass auf dem Korridor des Prignitz-Expresses der RE6 und die Regionalbahn RB55 im 30-Minuten-Takt von Hennigsdorf über Berlin-Tegel nach Berlin-Gesundbrunnen ein᠆gebunden werden. Die RB55 soll über Kremmen hinaus bis Neuruppin erweitert und die S-Bahn über Hennigsdorf hinaus bis Velten (Mark) verlängert werden. Geplant ist, dass sich S-Bahn und Regionalverkehr die Gleise zwischen Berlin-Tegel und Velten teilen.

Der Schiene kommt in der gemeinsamen Entwicklungsstrategie der Länder enorme Bedeutung zu. »Von Brandenburg nach Berlin gibt es deutschlandweit die meisten Pendlerinnen und Pendler zwischen den Bundesländern«, erklärte Brandenburgs Infrastrukturminister Guido Beermann (CDU). »Wir arbeiten stetig daran, unser attraktives ÖPNV-Angebot weiter auszubauen.« Im Interesse beider Länder - und des Klimas.

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