Urgestein stimmt für Kandidat der Linken

Lutz Boede unterstützt in Potsdam den Politiker Müller

  • Andreas Fritsche, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Mit ihren 10,3 Prozent bei der Kommunalwahl 2019 ist die linksalternative Wählergruppe »Die Andere« ein Faktor in Potsdam. Sie ist in der Stadt stärker als die AfD (9,5 Prozent) und fast so stark wie die CDU (12,4 Prozent). Wenn man bedenkt, wie die SPD (19,3 Prozent), die Grünen (18,8) und die Linke (18,1) bei der Kommunalwahl abgeschnitten haben, und sich vergegenwärtigt, dass »Die Andere« bei der Bundestagswahl am 26. September 2019 nicht auf dem Wahlzettel steht, dann wird klar, warum es für die Linke und die Grünen eine spannende Frage ist, wer von ihnen das Klientel dieser Wählergruppe in dem Potsdam und Umgebung umfassenden Bundestagswahlkreis 61 zu sich herüberziehen kann.

Lesen Sie auch: Es geht um jede Stimme. Andreas Fritsche warnt vor taktischem Verschenken der Erststimme

Die Wählergruppe hat ihren Ursprung in der Kampagne gegen Wehrpflicht. Fraktionsgeschäftsführer Lutz Boede ist ihr Urgestein und Aushängeschild. Neulich zitierte »nd« ihn mit der Bemerkung, es wäre für den Widerstand gegen die Garnisonkirche schade, wenn der Bundestagsabgeordnete Norbert Müller (Linke) nicht wieder ins Parlament einziehen würde. Prompt fragte ein Mitarbeiter der Rivalin Annalena Baerbock (Grüne) interessiert nach, ob Lutz Boede tatsächlich öffentlich zur Wahl von Norbert Müller aufrufe. Das hatte Boede so nicht ausdrücklich getan. Aber es ist Grund genug, bei ihm nachzufragen.

Am Samstag trat Lutz Boede beim Sommerfest der Potsdamer Linken im Neuen Lustgarten auf und befragte auf einer Bühne den Kandidaten Müller. Der Auftritt selbst war schon ein Fingerzeig. Dem »nd« verriet Boede danach, welcher Partei er seine Zweitstimme gebe, halte er sich bewusst bis zuletzt offen. Briefwahl komme deswegen für ihn nicht infrage. Doch: »Die Erststimme ist für mich klar: Ich wähle Norbert Müller.« Denn wenn er eine Frage an die Bundestagsabgeordneten richtete, habe Müller gleich geantwortet und Baerbock gar nicht.

2014 ist Norbert Müller in den Bundestag nachgerückt, 2017 mit einem guten Listenplatz sofort eingezogen. Jetzt hat er keinen Listenplatz. Der Sieg im Wahlkreis ist seine einzige Chance. Doch neben den Kanzlerkandidaten Olaf Scholz (SPD) und Annalena Baerbock (Grüne) ist er der Außenseiter, der »linke Underdog«. Eine Rolle, die ihm durchaus gefällt. Als Fußballfan kann er sich und seinen Anhängern Mut machen: Denn wer hätte gedacht, dass Müllers Regionalligaverein SV Babelsberg 03 den Bundesligisten Greuther Fürth aus dem DFB-Pokal werfen würde – und doch ist dieses Kunststück geglückt. 2017 lagen SPD und Linke bei den Zweitstimmen im Wahlkreis gleichauf, erinnert Müller. Doch bei den Erststimmen siegte Manja Schüle (SPD) mit 26,1 Prozent über die rechte CDU-Politikerin Saskia Ludwig und über Norbert Müller, die 24,9 und 16,5 Prozent erhielten. Linke Wähler hatten taktisch Schüle angekreuzt, um Ludwig zu verhindern, ist Müller überzeugt. Den Fehler dürfe man nicht wiederholen. Die Linke habe keine Stimme zu verschenken.

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal