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Ende der Intrigen-Spinnerei

Untersuchungsausschuss zur Entlassung von Hubertus Knabe legt Abschlussbericht vor

  • Von Nicolas Šustr
  • Lesedauer: 3 Min.
Am 26. November 2018 wollte Hubertus Knabe wieder seine Arbeit an der Gedenkstätte Hohenschönhausen antreten, doch der Stiftungsvorstand kam ihm mit einer sofortigen Abberufung zuvor.
Am 26. November 2018 wollte Hubertus Knabe wieder seine Arbeit an der Gedenkstätte Hohenschönhausen antreten, doch der Stiftungsvorstand kam ihm mit einer sofortigen Abberufung zuvor.

»Ja, schade«, sagt Hans-Christian Hausmann, der gerade angesetzt hatte, Leitungsdefizite in der Verwaltung von Kultursenator Klaus Lederer (Linke) ausführen zu wollen, als er darauf hingewiesen wird, dass die Frage auf entsprechende Defizite von Hubertus Knabe als Leiter der Gedenkstätte Hohenschönhausen, dem ehemaligen Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit der DDR, gemünzt war. Der Obmann der CDU spricht am Dienstag auf der Abschluss-Pressekonferenz des Untersuchungsausschusses »zur Aufklärung der Ursachen, Konsequenzen und der Verantwortung für Fehlentwicklungen« an der Gedenkstätte.

CDU, FDP und AfD halten an ihrer Version der Entlassung des langjährigen Gedenkstättenleiters Hubertus Knabe im Jahr 2018 fest, nämlich dass alles eine große Intrige von Kultursenator Lederer war. Knabe sei über die Vorwürfe gegen seinen Stellvertreter Helmuth Frauendorfer »absichtlich bruchstückhaft informiert« worden. AfD-Obmann Martin Trefzer behauptet in einem länglichen Vortrag, dass der Kultursenator den Gedenkstättenleiter »bewusst in eine Falle laufen« ließ. FDP-Obmann Stefan Förster erklärt darüber hinaus, dass die Frauen, die sich von Helmuth Frauendorfer bedrängt gefühlt hatten, nicht den Begriff »sexuelle Belästigung« benutzt hatten. »Die Volontärin hat das Verhalten des Abteilungsleiters als Stalking bezeichnet«, so Förster.

Die Ausschussvorsitzende Sabine Bangert (Grüne) erinnert sogleich daran, dass die erhobenen Vorwürfe juristisch als sexuelle Belästigung gewertet werden. Zuvor hatte sie an den Bericht einer Paddelboot-Tour der Belegschaft erinnert, bei der sich Knabe nackt ausgezogen habe, um eine Badehose anzuziehen und ins Wasser zu springen.

In den 20 Sitzungstagen des insgesamt 543 Tage bestehenden Untersuchungsausschusses entstand durchaus das Bild, dass eine Altherrenriege die Gedenkstätte und ihre Beschäftigten als ihre persönliche Spielwiese ansah. Bangert spricht von »massiven Versäumnissen bei Schutz- und Fürsorgepflichten«, es habe keine Betriebsärztin, keinen Brandschutzbeauftragten gegeben. Knabe sei es »nicht gelungen, übergriffiges Verhalten zu unterbinden«. Er habe den privaten Freund Frauendorfer aktiv beschützt und die Frauen, die Übergriffe beklagten, »allein gelassen«. Dass unter dem Direktor die Verwaltungsleitung achtmal gewechselt habe, deutet für Bangert auf Führungsprobleme hin.

Die Entlassung durch den Stiftungsrat »aus mehrheitlich konservativen Mitgliedern« sei »bis zum höchsten deutschen Arbeitsgericht« bestätigt worden, sagt SPD-Obmann Christian Hochgrebe. »Hat Frau Grütters aus Sicht der CDU richtig gehandelt und wenn nicht, warum steht sie dann auf Listenplatz eins?«, will er wissen.

»Es lag hier keine Intrige vor, wir haben es mit einer langen Geschichte von Irrungen und Wirrungen zu tun«, sagt Linke-Obmann Philipp Bertram. Diese hätte auch schon weit vor 2016 begonnen. Sexualisierte Übergriffe seien »so normalisiert, dass es für viele immer noch überraschend zu sein scheint, wenn es Konsequenzen gibt«, erklärt Grünen-Abgeordnete June Tomiak.

Letztlich hat Hubertus Knabe als Einziger einen Ablauf der Geschehnisse geschildert, der allen anderen widersprach. Das nährt Zweifel, ob er bei der Wahrheit geblieben ist.

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