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Tax-The-Rich-Kleid: Alexandria Ocasio-Cortez bringt Politik auf Met-Gala

Die popkulturellen Ausflüge der linken Demokratin sind Hegemoniepolitik im Sinne von Antonio Gramsci

  • Von Moritz Wichmann
  • Lesedauer: 3 Min.
Alexandria Ocasio-Cortez mit politischer Botschaft auf dem roten Teppich bei der Met-Gala in New York City.
Alexandria Ocasio-Cortez mit politischer Botschaft auf dem roten Teppich bei der Met-Gala in New York City.

Alexandria Ocasio-Cortez spaltet die USA. Konservative hassen sie, stellen sie als Vorzeige-Exemplar der abgehobenen Großstadt-Linken dar. Viele Anhänger der Demokraten und junge US-Amerikaner*innen lieben die linke Demokratin. Die auch unter dem Kürzel AOC bekannte Politikerin ist ein Popstar, nicht nur weil sie populär und bekannt ist, etwa mehr Follower auf Instagram und Twitter hat als Parteiführerin Nancy Pelosi, sondern auch, weil sie immer wieder Ausflüge in popkulturelle Sphären unternimmt. So ließ sie sich etwa für das Cover von »Vogue« ablichten. Am Montagabend trat sie im schicken weißen Kleid bei der Met-Gala in New York City auf – mit knallroter Beschriftung »Tax The Rich«.

Der Slogan zur Reichenbesteuerung trendete schon kurz danach auf Twitter in den USA. Und in Modemagazinen wurde plötzlich über stärkere Reichenbesteuerung geredet, die vielen Konsument*innen von Boulevard-Fotos der zahlreichen Stars und Sternchen, die die traditionelle New Yorker Spendengala für das Kunstmuseum in Manhattan besuchten, waren plötzlich einer linken Botschaft ausgesetzt. Das ist linke Hegemoniepolitik nach Antonio Gramsci im besten Sinne. Wie der italienische Kommunist weiß auch Ocasio-Cortez dass, wer die Gesellschaft verändern will, zunächst kulturelle Vorherrschaft erringen muss. AOC macht das vermeintlich wenig glamouröse Thema Steuern und linke Politik sexy.

Noch herrscht in den USA eine neoliberale Hegemonie: Statt dem Vertrauen auf den Sozialstaat wie ihn die Demokraten mit ihrem Infrastruktur-Paket und stärkerer Reichenbesteuerung zumindest zögerlich aufbauen wollen, dominiert immer noch die Frontier-Mentalität vom Einzelkämpfer-Unternehmer, der sich die Natur unterwirft, Ressourcen aneignet und die Vorstellung, dass jeder durch harte Arbeit zu Reichtum kommen kann. Popkulturell verbreitet wird das in zahlreichen Filmen und Figuren, in Legenden und Mythen, und eben auch in Modezeitschriften, die Stars und Sternchen der USA – und ihren individuellen Erfolg feiern.

Kontra: Ein Kleid ist nur ein Kleid
Mitmachen und dabei drüberstehen geht nicht - zum Auftritt von Alexandria Ocasio-Cortez auf der Met-Art-Gala

Natürlich wird der oder die Durchschnitts-US-Amerikaner*in, die bei der Social-Media-Jagd nach aufregenden Fotos vom roten Teppich der Met-Gala für einige Sekunden auch über das Bild von Ocasio-Cortez stolpert, nicht gleich zum linken Aktivist*in. Trotzdem wurden mit dem Auftritt Hunderttausende, vielleicht gar mehr mit einem linken Politikvorschlag konfrontiert, die ihn sonst nicht gesehen hätten, weil sie vielleicht wenig politikinteressiert sind oder keine Zeitung lesen. Das ist ein Gewinn für die Sache, die nächsten popkulturellen Nadelstiche ins (Unter)Bewusstsein der Nation kommen bestimmt. Gut so!

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