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Auch Papageien wollen schön sein

Behinderter Kea beim Putzen mithilfe von Kieselsteinen beobachtet

  • Von Barbara Barkhausen
  • Lesedauer: 4 Min.
Der Kea Bruce hält Objekte mit dem intakten unteren Schnabel und seiner Zunge fest
Der Kea Bruce hält Objekte mit dem intakten unteren Schnabel und seiner Zunge fest

Papageien sind ziemlich intelligent, das ist keine neue Erkenntnis. Früher beobachteten Forscher die Vögel bereits dabei, wie sie Werkzeuge dazu verwendeten, um an Futter heranzukommen. Doch nun wurde erstmals ein Kea beobachtet, der Werkzeuge zur eigenen Körperpflege nutzt.

Der neuseeländische Papagei, dem die Forscher den Namen Bruce gegeben haben, lebt im Willowbank Wildlife Reserve in Christchurch. Der Kea wurde 2013 als junger Vogel schwer verletzt in freier Wildbahn gefunden. Die gesamte obere Hälfte seines Schnabels fehlt und die Tierpfleger sind sich nicht sicher, wie genau der Unfall passiert sein könnte. Sie vermuten, dass er in irgendeine Falle geraten sein könnte.

Eine Forschergruppe um Amalia P. M. Bastos von der Universität von Auckland und Kata Horváth von der Eötvös-Loránd-Universität Budapest hatte das Verhalten des Vogels im Rahmen einer Studie untersucht, die sie im Fachmagazin »Scientific Reports« veröffentlichte. Dabei beschrieben die Wissenschaftler, wie Bruce seine Behinderung überwunden hat, indem er Kieselsteine suchte, mit denen er sich selbst putzen kann. Das Reinigen des Federkleids ist für Vögel wichtig, um Staubpartikel, Schmutz und Parasiten zu entfernen.

Schlaue und flexible Vögel

»Eigentlich verwenden Keas in freier Wildbahn selten Werkzeuge«, sagt die Tierforscherin Amalia Bastos. Die Verwendung von innovativen Werkzeugen als Reaktion auf eine Behinderung zeige die große Flexibilität in der Intelligenz der Tiere. »Sie sind in der Lage, sich anzupassen und neue Probleme flexibel zu lösen«, sagte sie.

Obwohl die Tierpfleger Bruce viel weiches Futter geben, das ohne den Oberschnabel gefressen werden kann, hat er auch gelernt, härteres Futter zu verspeisen, indem er es gegen harte Gegenstände drückt und so zerkleinert. Inzwischen hat sich Bruce so gut an seine Verletzung angepasst, dass er verschiedene Gegenstände manipulieren kann, indem er sie zwischen seiner Zunge und dem Unterkiefer hält. Kein anderer Kea in dem Wildpark zeigt ein vergleichbares Verhalten.

Kea wägt Entscheidungen ab

Dass die neuseeländische Vogelart - die auch als Nestor notabilis bekannt ist - ziemlich findig ist, zeigt sich auch darin, dass die Papageien schon mal Verkehrshütchen verrücken oder Brieftaschen klauen. Eine weitere Studie, die im März 2020 veröffentlicht wurde, zeigte bereits, wie intelligent der olivfarbene, fast 50 Zentimeter große Bergpapagei ist. Sie kam zu dem Schluss, dass Keas bewusst abwägen, wann ein Ergebnis wahrscheinlicher ist. Zudem bewiesen die Vögel damals, dass sie zwei Informationsquellen verbinden können, um ein Urteil zu fällen.

Bei den Experimenten, die ebenfalls von Forschern der Universität in Auckland ausgeführt wurden, zeigten die Wissenschaftler den Keas zwei Gläser mit schwarzen und orangefarbenen Spielsteinen. Den Vögeln wurde beigebracht, dass die schwarzen Spielsteine gegen eine Futterbelohnung eingetauscht werden konnten. In dem Experiment mussten die Keas dann das Glas auswählen, von dem sie dachten, dass es ihnen die beste Chance geben würde, eine Belohnung zu erhalten. Nachdem ein Forscher mit geschlossener Hand einen Spielstein aus jedem Glas gezogen hatte, musste der Kea auf die Hand tippen, von der er glaubte, dass sie die Belohnung enthalten würde. Manchmal gab es mehr schwarze Spielsteine in einem Glas als im anderen, manchmal gab es die gleiche Anzahl schwarzer Spielsteine in beiden Gläsern, aber ein Glas hatte mehr orangefarbene, und manchmal hatten die Gläser die gleiche Menge orangefarbener Spielsteine, aber ein Glas hatte mehr schwarze Spielsteine. Der Kea wählte stets so, dass die Wahrscheinlichkeit höher war, einen schwarzen Spielstein zu greifen.

Intelligent wie Schimpansen

Auch ein zweites Experiment, bei dem eine Barriere in der Mitte der Gläser mit unterschiedlichen Anteilen an schwarzen und orangefarbenen Spielsteinen oben und unten platziert wurde, zeigte, dass die Vögel das Glas mit der größten Anzahl schwarzer Spielsteine über der Barriere auswählten. Im letzten Experiment mussten die Keas zwischen zwei Forschern wählen, die die Spielsteine aussuchten. Einer davon nahm grundsätzlich nur schwarze Spielsteine, selbst wenn weniger davon im Glas waren, während der andere beide Farben auswählte. Auch hier erinnerten sich die Vögel daran, welcher der Forscher stets nach einem schwarzen Spielstein griff. Die Ergebnisse der Studie seien »überraschend«, hieß es damals vonseiten der Tierforscher. Denn sie würden »die Ergebnisse von Kleinkindern und Schimpansen in ähnlichen Tests widerspiegeln«.

Insgesamt leben in Neuseeland noch geschätzte 3000 bis 7000 Keas in der Wildnis. Vor allem Farmer haben eine Aktie am gesunkenen Bestand, standen die Papageien doch in dem Ruf, Schafe zu attackieren und dabei mit ihren kräftigen Schnäbeln ordentliche Stücke Fleisch aus deren Rücken herausreißen. Belege dafür gab es kaum. Dennoch förderte die neuseeländische Regierung deswegen von 1860 bis 1970 sogar, dass Bauern die Vögel jagten, und zahlte Kopfgeld für tote Keas. Rund 150 000 wurden erlegt. Erst 1986 wurde der Vogel dann offiziell unter Schutz gestellt.

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