Ausbildung - bitte Einsteigen!

In der Nachvermittlung sind in Brandenburg noch Lehrstellen zu haben

  • Andreas Fritsche, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

An der alten Tatra-Straßenbahn der ViP Verkehrsbetrieb Potsdam GmbH sind neue Einstiege angeschweißt. Die alten waren durchgerostet. In ihrer Werkstatt an der Fritz-Zubeil-Straße macht die ViP das Fahrzeug wieder fit für den Einsatz im Linienverkehr. So soll der Takt, in dem die Straßenbahnen fahren, verkürzt werden, bis neue Fahrzeuge geliefert sind.

Nick Kriening und seine jungen Kollegen, die bei der ViP eine Ausbildung zum Industriemechaniker absolvieren, führen am Montag Brandenburg Wirtschaftsminister Jörg Steinbach (SPD) herum und zeigen ihm auch den Teil der Halle, in dem gerade die Reifen eines Busses gewechselt werden. Der Verkehrsbetrieb und die Stadtwerke, zu dem er gehört, erhielten schon Preise für vorbildliche Ausbildung. Darum ist die Arbeitsagentur hier hergekommen, um ihre Bilanz des diesjährigen Ausbildungsmarktes in Brandenburg vorzustellen.

Die 80 Lehrstellen bei den Stadtwerken konnten besetzt werden. Trotzdem kann Geschäftsführerin Sophia Eltrop sagen: »Ein bisschen was haben wir noch.« Denn der eine oder andere breche die Ausbildung ab und dann bekomme jemand anderes noch die Chance. Darum gebe es im Unternehmen auch keinen Bewerbungsschluss mehr. Es wird versucht, zu jedem Termin den Ausbildungsbeginn zu ermöglichen.

Tom Zobel war schon dabei, Abitur zu machen, hat die Schule aber verlassen, um eine Lehre als Industriemechaniker bei der ViP anzufangen. »Stiller Helfer« der Bevölkerung zu sein, die Vorstellung hat ihm gefallen. Im zweiten Lehrjahr ist der 18-Jährige jetzt und bereut seine Entscheidung nicht. Sein Lehrlingskollege Diego Fenu bedauert höchstens, nicht früher darauf gekommen zu sein. Immerhin ist der Italiener nun schon 37 Jahre alt. »Ich mache eine Ausbildung, weil ich weiß, wie wichtig das in Deutschland ist«, sagt er. Fenu versteht nicht, warum manche deutsche Jugendliche zögern. Die Chance einer guten betrieblichen Ausbildung mit Berufsschule und Lehrlingsgeld gebe es in anderen Ländern leider nicht.

Ramona Schröder, Regionaldirektionschefin der Arbeitsagentur, macht den Unternehmen in Brandenburg ein »Kompliment«. Denn mit 13 641 betrieblichen Ausbildungsplätzen gibt es 273 mehr als im vergangenen Jahr, und sogar die von der Corona-Pandemie gebeutelte Gastronomie habe sich »wacker geschlagen«. Schröder weiß: »Das sieht in Berlin etwas anders aus.«

Das Ausbildungsjahr hat bereits begonnen, aber die bisher noch unversorgten 1329 Bewerber können in der Nachvermittlung immer noch zum Zuge kommen und aus 2081 Ausbildungsplätzen auswählen, die noch frei sind. Ramona Schröder nennt diese Situation »komfortabel«. Aber es sei nicht flächendeckend so, fügt sie hinzu. In einigen ländlichen Gegenden wie der Uckermark reiche die Zahl der dort angebotenen Lehrstellen nicht für alle Schulabgänger. Zahlreiche Möglichkeiten gebe es dagegen im Berliner Speckgürtel - und dort sollten sich auch Jugendliche aus der Hauptstadt umsehen, die noch nichts gefunden haben, empfiehlt Schröder.

Wirtschaftsminister Steinbach wirbt um die Berliner Jugend: »Kommen Sie nach Brandenburg!« Die Jugendberufsagenturen stehen Ratsuchenden zur Verfügung.

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