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Stadt-Land-Gefälle bei den Ärzten

Die Gründung Medizinischer Versorgungszentren soll erleichtert werden

  • Von Wilfried Neiße, Potsdam
  • Lesedauer: 3 Min.

Die Spaltung Brandenburgs in gut versorgte und abgehängte Regionen macht beim Thema Gesundheit keine Ausnahme. Während in Städten die Behandlung in Medizinischen Versorgungszentren gut gelingt, trifft das auf die ländlichen Regionen insgesamt so nicht zu.

Der Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung Brandenburg (KVBB), Peter Noack, nannte es am Mittwoch im Gesundheitsausschuss des Landtags ein Grundproblem, dass im Bundesland nicht nur das Durchschnittsalter der Einwohner stark zugenommen hat, sondern auch die dort praktizierenden Ärzte im Schnitt deutlich älter geworden sind. Während 1995 sieben Prozent der Hausärzte älter als 60 Jahre gewesen sind, so seien es heute 35 Prozent. Bei den gegenwärtig praktizierenden Fachärzten haben 30 Prozent ihren 60. Geburtstag schon hinter sich.

Zwar seien Arzttermine im europäischen Vergleich in Deutschland mit den kürzesten Wartezeiten verbunden, doch gebe es »in der Fläche« Beispiele, wo es anders aussehe. »Das muss ich eingestehen.« Die KVBB bemühe sich, mit Fördermaßnahmen auf Defizite zu reagieren, »aber das klappt nicht immer«.

Um den Status quo bei der medizinischen Versorgung zu halten, sei Nachwuchsgewinnung das Entscheidende, erklärte Noack. In Ballungszentren gelinge das zumeist, in den abgelegenen Regionen vielfach nicht - obwohl dort attraktive Lockangebote die Ansiedlung von jungen Ärztinnen und Ärzten unterstützen. Die dazu erforderlichen Summen werden von der Kassenärztlichen Vereinigung und den Krankenkassen übernommen. Auch das Land leistet einen Beitrag.

Medizinstudenten können zum Beispiel maximal sechs Jahre lang 1000 Euro Stipendium im Monat erhalten, wenn sie sich verpflichten, nach ihrem Abschluss mindestens fünf Jahre als Landarzt tätig zu werden. Dahinter steckt die Idee: Wer sich einmal niedergelassen hat, findet Freunde, gründet eine Familien und bleibt für immer. Im Mai 2020 gab es in Brandenburg 72 Landarzt-Stipendiaten, die 1000 Euro monatlich erhielten, und sechs weitere, die 500 Euro bekamen. Für die volle Summe lagen bislang immer mehr Bewerbungen vor, als Mittel zur Verfügung standen, erläuterte damals KVBB-Sprecher Christian Wehry. Bis zu 75 000 Euro können pro Nase gezahlt werden. Gestartet wurde das Programm zum 1. Juli 2019 von der damaligen Gesundheitsministerin Susanna Karawanskij (Linke).

Um medizinische Versorgung abzusichern, werden Medizinische Versorgungszentren (MVZ) gebildet, deren Zahl laut Peter Noack auf 104 angewachsen ist. Zu zwei Dritteln sind sie in der Trägerschaft benachbarter Krankenhäuser. Rund 600 Ärzte praktizieren dort ganz oder zeitweilig. Das sind 12 bis 13 Prozent aller praktizierenden Ärzte in Brandenburg. Im Durchschnitt betreut ein solches Versorgungszentrum zwischen 26 000 und 27 000 Menschen.

In großen Städten wie Berlin sei die Zahl der Betreuten pro Medizinischem Versorgungszentrum bedeutend geringer, fügte der Vorstandsvorsitzende hinzu. Neugründungen gebe es in Brandenburg eher in Städten als auf dem Lande. Auf dem platten Land hat es einst 67 Polikliniken beziehungsweise Landambulatorien gegeben, ihre Zahl ist auf 18 gesunken. Im Schnitt versorgt ein Hausarzt in Brandenburg knapp 1000 Patienten. Als Beispiel für den Versuch, ein Medizinisches Versorgungszentrum zu installieren, nannte Noack die Stadt Baruth. Weil die Kommunalaufsicht jedoch mit den geforderten Sicherheitsleistungen nicht zufrieden war, musste die ursprünglich auf den 1. Oktober angesetzte Eröffnung verschoben werden.

Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) berichtete im Ausschuss von dem Ziel, die bürokratischen Hürden für die Bildung von weiteren Medizinischen Versorgungszentren in kommunaler Trägerschaft abzubauen. Dafür habe sich Brandenburg stark gemacht und dieses Ziel sei auch von der Gesundheitsministerkonferenz der Länder übernommen worden. Nun müsse auf Bundesebene das neu besetzte Gesundheitsressort mit dem Finanzministerium entsprechende Grundlagen schaffen. Die zuständigen Stellen im Land Brandenburg werden sich laut Nonnemacher in Kürze dazu verständigen, wie die Prozesse beschleunigt und vereinfacht werden können. »Wir sind landes- und bundespolitisch auf gutem Wege«, meinte die Ministerin.

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