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Georg Brandenburg impft

Gesundheitsministerin Nonnemacher (Grüne) besucht eine Impfaktion im Tropical Islands, bei der drei Medizinstudenten helfen

  • Von Andreas Fritsche, Brand
  • Lesedauer: 5 Min.
Nach der Impfung gibt es ein Pflaster auf den Oberarm.
Nach der Impfung gibt es ein Pflaster auf den Oberarm.

Um 9 Uhr soll es losgehen. Doch bereits um 8.15 Uhr warten schon viele. Deshalb beginnen die Ärztin Katja Klugewitz und ihre fleißigen Helfer eine halbe Stunde vor dem angekündigten Termin. Im Freizeitparadies Tropical Islands in Brand (Dahme-Spreewald) gibt es am Samstag eine Impfaktion - nicht in der alten Luftschiffhalle, die zu einem riesigen Spaßbad mit künstlicher Südsee umgebaut ist, sondern in einem dazugehörigen kleinen Kongresszentrum. Gut ausgeschildert, ist es an der Zufahrt leicht zu finden. Man muss abbiegen, bevor die markante Kuppelhalle mit den Wasservergnügungen ins Blickfeld gerät. Diese steht ein Stück entfernt hinter Baumwipfeln verborgen.

Nach einer Stunde haben Klugewitz und ihre Kollegen bereits die ersten 100 Menschen geimpft. Danach lässt der Andrang spürbar nach. Zwischendurch gibt es auch mal ein paar Minuten nichts zu tun. »Aber mit dem Schichtwechsel zwischen 13 und 14 Uhr werden noch einmal sehr viele Leute kommen«, sagt der Mann von Katja Klugewitz. Er ist kein Mediziner, kümmert sich aber um den Einlass und weiß zu berichten, dass allein 200 der 550 Mitarbeiter des Tropical Islands für eine Impfung angemeldet sind. Das Unternehmen hatte beim Personal erfragt, ob an so einer Aktion Interesse bestünde. Bei 200 Anmeldungen war gesichert, das es sich lohnen würde. Auch ohne Termin durften Beschäftigte und überhaupt alle Bürger kommen. Die Gelegenheit nutzt auch Ralf Fritze, der in Mittenwalde wohnt. »Der Weg ist kurz«, freut er sich. Fritze arbeitet als Hauptkassierer in der Buchhaltung des Tropical Islands. Heute hat er frei und kommt nur für seine Booster-Impfung. Die erste und die zweite Dosis holte sich Fritze im Impfzentrum am Flughafen Schönefeld - am ersten Tag, an dem die Impfpriorisierung aufgehoben war und jeder kommen durfte. Damals erhielt er den Impfstoff von Biontech. Der ist jetzt aber hier genauso knapp wie überall. Nur etwa 300 Dosen sind vorhanden, von dem Impfstoff Moderna dagegen 700 Stück. Deshalb entscheidet Ärztin Katja Klugewitz: »Über 30-Jährige impfen wir grundsätzlich nur mit Moderna.«

Der eine oder andere diskutiert deswegen. Aber der umgängliche Ralf Fritze schaut nur kurz verdutzt und lässt sich schnell überzeugen. Als er sein Hemd für den Piks abstreift und Klugewitz die Spritze ansetzt, drängeln sich ein Kameramann und zwei Fotografinnen ein bisschen um den besten Platz für die schönsten Aufnahmen. Fritze hat gutmütig sein Einverständnis gegeben.

Die Journalisten sind hier, weil sich Brandenburgs Gesundheitsministerin Ursula Nonnemacher (Grüne) ankündigte. Sie eröffnete Anfang des Jahres ein Impfzentrum nach dem anderen. Nun schaut sie sich bei Impfaktionen und auch bei impfenden Hausärzten um. »Mein Besuch ist auch ein Zeichen der Wertschätzung«, betont sie. Von Katja Klugewitz, der besonders engagierten Fachärztin für Innere Medizin mit Praxis in Königs Wusterhausen, hat Nonnemacher gelesen und wollte sie kennenlernen.

Sprechen möchte die Ministerin auch mit den drei Medizinstudenten Samira Dabelow, Sarah Jelinek und Georg Brandenburg, die den Ärzten im Tropical Islands zur Hand gehen. Die 23 und 24 Jahre alten Frauen und der 21-jährige Mann sind erst im ersten Semester, dürfen unter Aufsicht aber auch selbst impfen. Für Dabelow, Jelinek und Brandenburg ist es nicht der erste Einsatz. Beim Deutschen Roten Kreuz und im Impfzenrum in Potsdam haben sie auch schon Unterstützung geleistet. »Man hilft, wo man kann«, sagt Dabelow. Die Gesundheitsministerin, von Beruf selbst Ärztin, ist angetan von der Einsatzbereitschaft der drei jungen Leute. Hier läuft alles glatt. Darüber muss sie sich nicht den Kopf zerbrechen. Etwas anderes bereitet ihr Sorge: Omikron, die neue Virusvariante. »Ich bin maximal beunruhigt«, gesteht Nonnemacher. Umso wichtiger sei es, dass sich die Bevölkerung zügig impfen und auch boostern lässt.

Nonnemacher selbst hat sich ihre dritte Dosis am vergangenen Mittwoch von ihrer Hausärztin verabreichen lassen. Die 64-Jährige möchte Vorbild sein, was allerdings auch bedeutet, jeden Anschein zu vermeiden, sie drängele sich vor. »Aber die sechs Monate waren rum«, sagt sie. Vorher haben bereits viele die Auffrischungsimpfung erhalten, die jünger sind als die Politikerin.

Es kann nicht mehr so lange dauern, bis alle geboostert sind, die das wünschen. Dann steht so wie im Spätsommer bei den ersten und zweiten Impfungen wieder die Frage, wie die Zögerlichen dazu bewegt werden können. »Ich halte jetzt nichts davon, dass man noch Prämien auslobt«, sagt Nonnemacher in Brand. Sie hat mal gesehen, wie es bei einer Aktion auf einem Markt in Brandenburg/Havel zur Impfung ein Eis dazu gab. »Das finde ich nett.« Aber Geld zahlen, »das sehe ich nicht«.

Der Bundestagsabgeordnete Christian Görke (Linke) hat bereits im November eine Prämie von 500 Euro ins Spiel gebracht. Diese Summe sollten wegen der Gerechtigkeit auch diejenigen bekommen, die sich schon impfen ließen. Wegen der hohen Kosten wurde der Vorschlag zurückgewiesen.

Ministerin Nonnemacher dankt in Brand auch Chris Jung, dem Chefmanager des Tropical Islands, der die Räumlichkeiten für die Impfaktion zur Verfügung stellt. Für Jung ist das eine Selbstverständlichkeit. »Für uns ist das eine ganz wichtige Sache, dass die Impfquote steigt«, erklärt er. Schließlich ist ein Freizeitzentrum existenziell darauf angewiesen, dass die Pandemie endlich besiegt wird. 6000 Besucher fasst die beliebte Tropenhalle. Jetzt dürfen nur 3000 Geimpfte und Genesene hinein, und die Halle ist zuletzt trotzdem nicht komplett ausgebucht gewesen. Viele Menschen sind wegen der hohen Corona-Zahlen jetzt offensichtlich wieder ängstlicher und vorsichtiger.

Informationen über spezielle Impftage gibt es im Internet unter brandenburg-impft.de.

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