Der Kohleausstieg von Königs Wusterhausen

Hafen der Stadt verwandelte sich in ein Güterverkehrszentrum und erhält ein zusätzliches Gleis

  • Andreas Fritsche
  • Lesedauer: 3 Min.

Am Hafen von Königs Wusterhausen (Dahme-Spreewald) soll ein weiteres Gleis gebaut werden, damit dort besser umgeladen werden kann. Zur Zeit gebe es an der betreffenden Stelle nur zwei Gleise, berichtet Michael Fiedler am Montag. »Man kann nicht vernünftig rangieren.« Fiedler ist Geschäftsführer der kommunalen Lutra GmbH, die den Hafen betreibt. Noch muss am Bahnhof Königs Wusterhausen rangiert werden. Wenn das zusätzliche Gleis 2023 fertig würde, muss das nicht mehr sein und es werden Kapazitäten am Bahnhof frei, die für den Personenverkehr genutzt werden können.

Erster Spatenstich für die Baumaßnahme soll im April 2022 sein. Die Kosten in Höhe von 8,3 Millionen Euro werden überwiegend mit Fördermitteln gedeckt. Den Zuwendungsbescheid über 71, Millionen Euro sollte Staatssekretärin Jutta Jahns-Böhm am Montag übergeben. Das geht aber schlecht bei einem Termin, der wegen der Corona-Pandemie nur als Videokonferenz angesetzt ist. Jahns-Böhm hält den Bescheid deshalb nur einmal in die Kamera. Das Geld stammt aus den Strukturmitteln für den Braunkohleausstieg in der Lausitz.

Aber Moment: Königs Wusterhausen liegt bekanntlich vor den Toren Berlins gut 100 Kilometer entfernt von den Kraftwerken und Tagebauen in Südbrandenburg. Es gab neulich erst Unmut in der Lausitz, dass ein neuer Standort für 100 Mitarbeiter des Robert Koch-Instituts in Wildau mit Mitteln für den Strukturwandel bezahlt wird. So etwas dürfe sich nicht wiederholen, lautete Anfang November eine klare Ansage im zuständigen Sonderausschuss des brandenburgischen Landtags. Wildau liegt aber nur eine S-Bahnstation von Königs Wusterhausen entfernt. Bedeutet das Hafenprojekt also neues Ungemach?

»Das ist nicht vergleichbar«, versichert Heiko Jahn, Geschäftsführer der Wirtschaftsregion Lausitz. »Es waren alle einverstanden, dass das Projekt aus diesem Topf finanziert wird.« Die zuständige interministerielle Arbeitsgruppe der Landesregierung hat die Förderung bestätigt. Beim Robert Koch-Institut liegen die Dinge anders. Da hatte das Bundesgesundheitsministerium eigenmächtig entschieden. »Das ist etwas anderes«, betont auch Staatssekretärin Jahns-Böhm.

Dahme-Spreewald gehöre zum Fördergebiet, wehrt Landrat Stephan Loge (SPD) die Frage etwas ungehalten ab. Ihm ist sehr an dem Projekt gelegen. »Wir haben dafür gekämpft, viele Jahre. Wir werden die Straße entlasten.« Das ist in dieser Gegend auch bitter nötig, zumal durch die bevorstehende Eröffnung der Tesla-Autofabrik im nahen Grünheide ein Verkehrschaos befürchtet wird. Außerdem hänge alles miteinander zusammen, sagt Landrat Loge. »Wenn es hier oben nicht funktioniert, kommt unten kein Zug an.« Der Kohleausstieg in der Lausitz soll tatsächlich auch durch den Ausbau der Verkehrsverbindungen abgefedert werden. Dazu gehört beispielsweise ein zweites Gleis auf der Bahnstrecke von Lübbenau nach Cottbus, dem bisherigen Nadelöhr für die schnelle Verbindung nach Berlin.

Davon abgesehen ist der Hafen von Königs Wusterhausen selbst sehr direkt von der Energiewende betroffen. Jahrzehntelang wurde hier Braunkohle umgeschlagen. Schon seit 2017 ist damit Schluss. So wie in der Lausitz sorgte der Kohleausstieg auch in Königs Wusterhausen für Ängste, wie Bürgermeisterin Michaela Wiezorek (parteilos) erinnert. »Wir waren die ersten beim Ausstieg, die ersten beim Umstieg.«

In Königs Wusterhausen scheint der Wandel auf einem guten Weg zu sein. Die Flächen im Hafen seien zu 100 Prozent vermarktet, erklärt Hafenchef Fiedler. Der Hafen bekommt eine neue Aufgabe als Güterverkehrszentrum. Ging früher die Kohle aus den Tagebauen über Königs Wusterhausen nach Berlin, so werden künftig in umgekehrter Richtung Waren transportiert. Das zusätzliche Gleis, das weitere Ansiedlungen verspricht, sei etwas für den Wandel im Revier, versichert Fiedler. »Wir sind das Tor zur Lausitz hinunter.«

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