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  • Vulkanausbruch in Tonga

Höllenschlund in der Südsee

Die Stärke der Eruption des Vulkans in Tonga hat auch die Wissenschaft überrascht

  • Von Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 2 Min.
Asche-, Dampf- und Gaswolken stiegen vom Hunga-Vulkan bis über 30 km auf. Die Abkühlung des globalen Klimas wird messbar sein, aber geringer als beim Ausbruch des Pinatubo vor 30 Jahrem
Asche-, Dampf- und Gaswolken stiegen vom Hunga-Vulkan bis über 30 km auf. Die Abkühlung des globalen Klimas wird messbar sein, aber geringer als beim Ausbruch des Pinatubo vor 30 Jahrem

Der Ausbruch des unterseeischen Hunga-Vulkans im Königreich Tonga im Südwest-Pazifik war laut US-Raumfahrtbehörde Nasa mehrere Hundert Mal stärker als die Sprengkraft der Atombombe über Hiroshima. »Dies ist eine vorläufige Schätzung, aber wir glauben, dass die durch den Ausbruch freigesetzte Energiemenge etwa 4 bis 18 Megatonnen TNT entsprach«, sagte Nasa-Wissenschaftler Jim Garvin.

Der unterseeische Vulkan hatte bei seinem Ausbruch vor zehn Tagen eine gigantische Wolke aus Asche und Gas im zentralen Bereich bis in 55 Kilometer Höhe geschleudert. Der Hunga-Vulkan war bereits zuvor stark aktiv gewesen; so entstand durch die Aktivität des Vulkans bereits im vergangenen Jahr eine neue Insel, die beim jüngsten Ausbruch allerdings wieder weitgehend zerstört wurde. Wie der Leiter der Abteilung Erdbeben- und Vulkanphysik am Deutschen Geoforschungszentrum in Potsdam, Torsten Dahm, erläutert, muss es an diesem Vulkan auch in der Vergangenheit schon zu sehr starken Eruptionen gekommen sein. Der Einsturzkessel des Vulkans, die sogenannte Caldera, sei ein Hinweis auf solche Ausbrüche. Die Informationen über frühere Aktivitäten sind allerdings recht lückenhaft, da eine kontinuierliche Beobachtung von Unterwasservulkanen recht aufwendig ist.

Lange waren die Vulkanologen der Meinung, dass so große Caldera-Vulkane nur auf dem Festland existieren, wo die Erdkruste dick ist und sich entsprechend große Magmamengen im Untergrund ansammeln können. In den letzten Jahren habe sich aber die Einsicht durchgesetzt, dass es derartige Vulkane auch in den Ozeanen gibt.

Zumindest in einem Punkt entsprach auch der Hunga-Vulkan den Erwartungen: Er befindet sich im Bereich einer sogenannten Subduktionszone, wo sich die Pazifische Kontinentalplatte unter die Indisch-Australische Platte schiebt, die gleiche, der auch Neuseeland seine Vulkane und Erdbeben verdankt.

Über die unterseeischen Vulkane in dieser Zone ist vergleichsweise wenig bekannt. Wenn sie wie der Hunga-Vulkan relativ dicht unter der Meeresoberfläche liegen, besteht eine zusätzliche Gefahrenquelle darin, dass beim Austreten der heißen Lava bei einer Eruption große Mengen Meerwasser explosiv verdampfen. In kleinerem Maßstab wurden derartige sogenannte phreatomagmatische Ausbrüche schon früher bei Island beobachtet.

Obwohl die gewaltige Eruption Ähnlichkeiten mit dem Ausbruch des Pinatubo auf den Philippinen im Jahre 1991 aufweist, wird es nach Ansicht des Potsdamer Vulkan-Geophysikers Dahm keine vergleichbar lang anhaltenden Abkühlungseffekte auf das Klima geben wie vor 30 Jahren. Dazu seien nach den bisherigen Messungen die Dauer des Ausbruchs und die freigesetzten Schwefelmengen zu klein gewesen.

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