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Entlassungen bei der »taz«

Anzeigenabteilung in Hamburg und Bremen soll geschlossen werden

  • Von Moritz Herbst
  • Lesedauer: 3 Min.
Ein Teil der anwesenden Mitarbeiter demonstrierte am Montag vor der taz.
Ein Teil der anwesenden Mitarbeiter demonstrierte am Montag vor der taz.

Die Geschäftsführung der »taz« hat drei langjährig Beschäftigten der taz Nord in Hamburg und Bremen betriebsbedingt gekündigt. Die zwei Frauen und ein Mann zwischen 57 und 60 Jahren arbeiten dort seit mehr als 16 Jahren in der Anzeigenabteilung des Regionalteils für die nordwestdeutschen Bundesländer. Alternativ könnten die Beschäftigten nach Berlin umziehen und dort am Hauptstandort der »taz« arbeiten, boten Geschäftsführung und Vorstand an. Der Betriebsrat der »taz« Berlin hält das Angebot des Arbeitgebers hingegen für »vergiftet«.

Dieser Meinung ist auch Jörg Reichel, Gewerkschaftssekretär für Medienunternehmen im Verdi-Bezirk Berlin-Brandenburg. »Der Vorstand weiß ganz genau, dass sich normale taz-Beschäftigte keinen teuren Umzug, keine neue Wohnung in Berlin oder mehrmaliges Pendeln im Monat leisten können«, erklärte er. Geschäftsführung und Vorstand hofften »wohl insgeheim, dass die Beschäftigten kapitulieren und ihre Arbeitsplätze aufgeben«. Das sei »weder solidarisch noch sozialverträglich«. Verdi fordert die Rücknahme der Kündigung und dass die Kolleg*innen ihre Arbeit weiter »von Hamburg und Bremen aus erbringen können«.

Die Geschäftsführung der »taz« arbeitet seit Jahren an der Umstellung der »taz« von einer gedruckten Tageszeitung auf digitale Plattformen. Eigentlich wird bei diesem Prozess der Digitalisierung die Belegschaft eingebunden, so der hehre Anspruch. Was im Alltag meist auch gut funktioniert. Um so größer ist jetzt die Empörung in der Belegschaft. Denn die gedruckten Regionalteile Berlin und Nord mussten für die Digitalisierung ohnehin schon Reduzierungen hinnehmen. So wurden die Stadtseiten für Hamburg und Bremen eingespart und in der Wochenendausgabe die Regionalteile Berlin und Nord zusammengelegt. Damit wurde auch das Verkaufen von Anzeigen im regionalen Markt erschwert. Folgerichtig soll nun die Anzeigenabteilung der »taz« Nord geschlossen werden.

Noch vor einem Jahr hatten Geschäftsführung und Chefredaktion zugesichert, dass niemand seinen Arbeitsplatz in Hamburg oder Bremen verlieren werde oder umziehen müsse: Die »Halbwertszeit« dieses Versprechens sei »offenbar gering«, konstatierte die Betriebsratsvorsitzende der »taz« nord, Lotta Drügemöller. »Die ›taz‹ nötigt zum Umzug, die ›taz‹ kündigt. Schlimmer noch: Die ›taz‹ kündigt ohne Not«, kritisiert sie.
Zur Begründung für die Entlassungen heißt es von der Geschäftsführung: »Erkenntnisse der letzten Jahre und die Befragung zur Arbeit im Homeoffice haben gezeigt, dass wichtige kreative Prozesse wesentlich besser bei analogen Treffen und direktem Austausch im Büro stattfinden.« Dem widerspricht das Anzeigenteam in Berlin aus dem Homeoffice vehement in einer E-Mail: »Es gibt keinen Grund, warum die Akquise und Disposition nicht von jedem anderen Ort aus gemacht werden kann. Das haben wir in den vergangenen Jahren mit großem Erfolg bewiesen.«

Am Montagmittag gab es ein ungewohntes Bild vor dem Berliner taz-Haus: 44 von 50 anwesenden Mitarbeitenden stellten sich mit Protestplakaten vor den Eingang und solidarisierten sich mit den Kolleg*innen der »taz« nord, probten Arbeitskampf und forderten die Rücknahme der Entlassung. Im Intranet der »taz« hat die massive Kritik von Beschäftigten dazu geführt, dass vom Vorstand eine Mitarbeitendenversammlung am 13. April einberufen wurde – online. Darüber berichtete Redakteur Erik Peter am Dienstag auf den Berlin-Seiten der »taz«.

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