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Parasiten, Kannen, Limousinen

Kaum etwas, was sich nicht sammeln lässt: verrückte Museen

Heimische Wildbienen, ausgestellt im Museum für Naturkunde in Berlin.
Heimische Wildbienen, ausgestellt im Museum für Naturkunde in Berlin.

Briefmarken, Bierdeckel oder Buddelschiffe: Menschen sammeln erstaunliche Dinge. Doch es geht noch eine Spur verrückter. Rund um den Globus präsentieren Museen total abgedrehte Sammlungen. Oft muss man noch nicht einmal weit fahren. Mit kultigen Kollektionen von Mausefallen, Kuschelschweinen oder Gießkannen ist Deutschland eine Hochburg der skurrilen Ausstellungen. Wir stellen sechs besonders ungewöhnliche Museen vor.

Mäuse am Galgen

Um dieses Museum machen Mäuse und Ratten mit Sicherheit einen großen Bogen, schließlich findet sich hier die wahrscheinlich weltweit größte Sammlung gemeiner Tötungsmaschinen für kleine Nager. In dem Fachwerkhaus in Güntersberge im Harz hat Familie Knepper neben Mausefallen, Mini-Galgen und Wühlmauskanonen noch allerlei weitere Kuriositäten zusammengetragen. Da gibt es tragbare Toilettenstühle, Keuschheitsgürtel, Flohfallen und eine »Galerie der stillen Örtchen« zu einem überaus menschlichen Thema. Jeden Samstag und Sonntag wird um 14 und um 15 Uhr zu Führungen eingeladen. www.mausefallenmuseum.de

Männerträume: Alles, was Krach macht

Aufsitz-Rasenmäher statt Aquarelle, Motorräder statt Meissener Porzellan: Im »Husqvarna Fabriksmuseum« vergessen Technikfreaks die Welt. Hobbygärtner und Heimwerker wissen es natürlich: Husqvarna ist ein schwedischer Maschinenbauer, der bereits seit 1689 von Flinte bis Fräse, von Mixer bis Motorrad, hochwertige Helfer für Haus und Hobby herstellt. Im eigenen Technik-Museum in Huskvarna, 150 Kilometer östlich von Göteborg, lassen nun Tausende Exponate aus allen Epochen vor allem Männerherzen höher schlagen. Daniel-Düsentrieb-Erfindungen, technische Prototypen, Rohrkrepierer und Meisterstücke der Ingenieurskunst: Alles, was Krach macht, ist hier vertreten. www.husqvarnamuseum.se

Saustall in Stuttgart

Ausgerechnet im »Alten Schlachthof« in Stuttgart geben sich rund 50 000 Schweine ein Stelldichein, ein echter Sau-Haufen. Vom Sparschwein übers Glücksschwein bis zum Kuschelschwein – auf 800 Quadratmetern Ausstellungsfläche erfahren Besucher alles zu dem Tier mit dem Ringelschwanz. 27 Themenräume zu Gebieten wie Medizin, Kultur, Kunst und Kitsch geben einen – teilweise durchaus ernsthaften – Überblick rund ums Borstenvieh. Flankiert wird die Ausstellung von etlichen saustarken Angeboten wie Sonderpräsentationen, etwa zum »Jahr des Erdschweins«. Wenn Kinder im »Alten Schlachthof« Geburtstag feiern, kommen Pumba-Schnitzel neben Miss-Piggy-Cocktails auf den Tisch. Und im Museumsshop gibt es jede Menge kleine Schweinereien für zu Hause. www.schweinemuseum.de

Rollender Luxus in XXL

Automuseum – das klingt erst einmal harmlos. Doch was sich da im Golfemirat Abu Dhabi mitten in der Wüste in einer XXL-Halle auftürmt, ist pure Gigantomanie. 50 Tonnen schwer, 15 Meter lang und neun Meter hoch ist der Monster-Pick-up, den sich Scheich Hamad Bin Hamdan Al Nahyan, Mitglied der königlichen Herrscherfamilie in Abu Dhabi, im Maßstab 4:1 hat nachbauen lassen. Der Autofanatiker, der Mercedes S-Klassen sammelt und sie in Regenbogenfarben lackieren lässt – was ihm den Beinamen Rainbow-Scheich einbrachte -, frönte seinem Hobby so ausgiebig, dass er sich entschloss, seine Luxus-Exponate der Öffentlichkeit im Emirates National Auto Museum zugänglich zu machen. Selbst wer mit Autos sonst nichts am Hut hat, kommt dort ins Staunen. Die Anreise: Einfach aus der Stadt Richtung Liwa-Oase fahren, dann blinkt schon bald die Stahlpyramide, die den Autowahnsinn beherbergt.
www.enam.ae

Gießen sammelt Kannen

Was sammelt man im Städtchen Gießen? Ganz klar: Gießkannen. Das macht man dort offenbar nicht aus purem Spaß, sondern betrachtet das als einen gesellschaftlichen Auftrag. Offiziell heißt es dazu: »Das GiKaMu ist ein Museum zur materiellen Alltagskultur, das sich auf Gießgefäße spezialisiert hat.« Alles klar? Wenn nicht, kann man sich dort trotzdem amüsieren und herausfinden, wie der Mensch in den vergangenen vier Jahrhunderten seine individuellen Bewässerungsprobleme gelöst hat. Kannen über Kannen, für drinnen und draußen, von überdimensional bis winzig klein und in allen Formen und Farben sind dort zu bestaunen. Die meisten Exponate sind Spenden oder Dauerleihgaben. Wer also noch ein originelles Exemplar auf der Fensterbank stehen hat, kann’s gerne nach Gießen bringen.
www.giesskannenmuseum.de

Schmarotzer zum Ekeln

Wer das vom Arzt Satoru Kamegai gegründete Parasitenmuseum in Tokio besucht, braucht starke Nerven. 300 Läuse, Würmer und Flöhe, allesamt Parasiten, die Mensch und Tier befallen, sind hier fachgerecht konserviert in Glasbehältern ausgestellt. Ekel-Highlight ist ein 8,8 Meter langer Bandwurm, ein Tierchen, dem wirklich keiner gern als Wirt dienen möchte. Die Sammlung des Meguro Parasitological Museum, das vor allem der Forschung und Lehre dient, umfasst rund 60 000 Parasiten-Präparate und eine Fachbibliothek. Der wissenschaftlich unbedarfte Besucher kann sich schön gruseln und als Erinnerung im Shop ein mit Parasiten bedrucktes T-Shirt, Ekel-Postkarten oder einen Schlüsselanhänger mit bunten, daran baumelnden Schmarotzern erstehen.
www.kiseichu.org/e-top

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