Mit dem Laptop nach Bali

Nach dem Homeoffice boomt das Remote Office

  • Von Barbara Barkhausen, Sydney
  • Lesedauer: 4 Min.
Für viele Fernarbeiter ist Bali ein attraktives Ziel: Eine Frau in einem Kostüm steht neben indonesischen Nationalfahnen während einer Parade zur Feier des Unabhängigkeitstages in Ubud.
Für viele Fernarbeiter ist Bali ein attraktives Ziel: Eine Frau in einem Kostüm steht neben indonesischen Nationalfahnen während einer Parade zur Feier des Unabhängigkeitstages in Ubud.

Auf den ersten Blick wirkt der Co-Working Space der Firma Outpost auf Bali mehr wie ein Resort. Am Pool sonnt sich eine junge Frau, dahinter sitzt eine Gruppe zusammen – ins Gespräch vertieft. Nicht weit davon hat sich eine weitere Runde mit Laptops zusammengefunden. »Seit die Covid-Reisebestimmungen nicht mehr so streng sind, erleben wir eine explosionsartige Zunahme der Anzahl digitaler Nomaden«, sagte David Abraham, einer der Mitgründer der Firma Outpost, die Menschen ansprechen möchte, die über einen Zeitraum in einem anderen Land leben und »remote« – aus der Ferne – arbeiten wollen.

Im Juni meldete Outpost die bisher meisten Buchungen seit Gründung der Firma 2016. Besonders beliebt ist Bali – die indonesische Urlaubsinsel sei »der globale Hotspot«, wie Abraham sagte. Doch auch Portugal, Kolumbien, Kroatien und Thailand würden immer beliebter. Abraham selbst kam einst die Idee für seine Firma, als er mit dem Laptop in einem Starbucks in Tokio saß. Ihm fiel auf, dass die Leute um ihn herum ebenfalls alle arbeiteten. Das brachte ihn auf den Gedanken, dass sich das auch an einen Urlaubsort wie Bali verlegen ließe, wo es deutlich schöner ist als in einem Starbucks in Tokio.

Bei vielen hat die Pandemie und das damit verbundene »Remote«-Arbeiten den Anstoß zum digitalen Nomadenleben gegeben. Viele würden inzwischen nicht mehr in der Stadt bleiben wollen, in der sie leben, oder in der Nähe der Büros, in denen sie früher gearbeitet haben, so Abraham. »Die Menschen brennen darauf, ihre neuen ›Remote‹-Jobs mit in die ganze Welt zu nehmen und mit anderen Gleichgesinnten an idyllischen Orten zu arbeiten.« Bei Outpost können die digitalen Nomaden zwischen ihren Zoom-Meetings surfen gehen, sich im Pool erfrischen oder an der Bar ein kühles Getränk schlürfen.

Bali ist seit seiner Öffnung eines der begehrtesten Ziele für digitale Nomaden, obwohl die rechtliche Lage eher eine Grauzone ist. Nach indonesischem Recht müsste jeder, der sich innerhalb von zwölf Monaten 183 Tage im Land aufhält, wie ein Einheimischer Steuern zahlen. Wer Steuern zahlt, muss aber auch eine offizielle Arbeitserlaubnis haben – ein Touristenvisum reicht nicht. Nun soll es künftig ein spezielles Fünfjahresvisum geben, das digitale Nomaden von der Zahlung lokaler Steuern befreien würde, solange sie ihr Einkommen nicht im Inland generieren. Das sogenannte Digital Nomad Visa, das von Indonesiens Tourismusminister Sandiaga Uno angekündigt wurde, soll im nächsten Jahr über 3,6 Millionen internationale Reisende ins Land bringen. Gegenüber »Bloomberg« sagte Uno, dass in einer Umfrage 95 Prozent der digitalen Nomaden angegeben hätten, dass Indonesien und vor allem Bali das für sie interessanteste Ziel für »Remote«-Arbeit sei.

Die Insel wurde von der Pandemie besonders hart getroffen, da ein großer Teil der Balinesen auf den Tourismus angewiesen ist. Die indonesische Insel ist zwar katastrophengeprüft – nach zwei Terroranschlägen 2002 und 2005, einem Ausbruch der Vogelgrippe 2007 und der Eruption des Mount Agung, Balis höchstem Vulkan, im Jahr 2017 –, doch Covid-19 hat diese Extremereignisse nochmals in den Schatten gestellt.

Tausende Balinesen verloren aufgrund der geschlossenen Grenzen während der Pandemie ihre Arbeit im Tourismussektor. Viele kehrten in ihre Dörfer zurück und lebten wieder in eher einfachen Verhältnissen auf dem Land, wo sie sich mit Landwirtschaft und Fischfang über Wasser hielten. Die engen Familienbande und der hinduistische Glaube halfen ihnen, die Zeit zu überstehen.

In gewisser Weise habe die Pandemie die Bürger und die lokale Regierung gezwungen, innezuhalten und über die Zukunft der Tourismusbranche auf der Insel nachzudenken, heißt es vonseiten der Gründer von Outpost, die selbst Expats sind. Wo es früher um Massentourismus und das Erreichen immer höherer jährlicher touristischer Ziele ging, hat sich das Gespräch nun auf Qualitätstourismus verlagert – also einen Tourismus, der mehr zur Wirtschaft beiträgt und gleichzeitig weniger Auswirkungen auf die Umwelt hat. Digitale Nomaden passen laut Abraham in dieses Konzept. Denn die meisten dieser Reisenden bleiben nach seiner Erfahrung eine Woche bis einige Monate.

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