Warum ist Pusten kalt und Hauchen warm?

Wie warm ist die Luft, die wir ausatmen, und was hat sie mit Ventilatoren zu tun?

  • Birthe Berghöfer und Steffen Schmidt
  • Lesedauer: 3 Min.

Steffen, wenn ich mir auf die Hand puste, dann ist mein Atem kalt, wenn ich aber nur hauche, ist er warm. Warum ist das so?

Das ist eine Behauptung, die nicht unbedingt stimmt. Hast du jemals im Hochsommer die Hände angehaucht? Da würdest du das gar nicht merken, weil die Temperatur durchaus höher ist als das, was du ausatmest. Zumindest in den heißeren Sommern der vergangenen Jahre war es so, 2023 vielleicht nicht unbedingt. Ansonsten steckt natürlich im Hauchen und Pusten noch etwas Physikalisches: Mit Pusten meint man meistens einen etwas kräftigeren Luftstrom als mit Hauchen.

Wie beim Alkoholtest.

Bei dem muss man wahrscheinlich auch Druck ausüben. Ich bin noch nie in die Verlegenheit gekommen, da ich ohne einen Führerschein durchs Leben gegangen bin. Aber so ein Teströhrchen ist mit Druck verbunden, und da kommen wir dann auf einen Effekt, den man von einer anderen, eher technischen Seite her kennt: Ventilatoren oder auch die Lüfter in Computern. Das heißt, ein schneller Luftstrom, wie das beim Pusten der Fall ist, führt Wärme von der angeblasenen Oberfläche ab. Und damit wirkt er kühlend. Während das Hauchen ein eher müder Luftstrom ist. Da kommt mehr die Temperatur der ausgehauchten Luft zum Tragen.

Dr. Schmidt erklärt die Welt

Als Universalgelehrter der nd.Redaktion weiß der Wissenschaftsjournalist Dr. Steffen Schmidt auf fast jede Frage eine Antwort – und wenn doch nicht, beantwortet er eben eine andere. Alle Folgen zum Nachhören auf: dasnd.de/schmidt

Das heißt, die Atemtemperatur ist eigentlich gleich, aber die Empfindung unterschiedlich?

Die Luft ist dieselbe, das ist genau der Punkt. Und die hängt natürlich ganz entscheidend davon ab, wie die sonstigen Randbedingungen sind. Also wie schon gesagt: Im Hochsommer oder wenn du einen Löffel heiße Suppe vor dir hast und du bläst auf den Löffel, dann geht es um diesen Kühleffekt eines schnellen Luftstroms – den natürlich der Ventilator großflächiger bietet, aber man hat ja nicht immer einen dabei. Deswegen ist der Kühleffekt bei Ventilatoren auch eine Frage des Luftstroms. Man merkt ja, wenn man den auf eine etwas höhere Drehzahl stellt, hat man natürlich im Sommer das Gefühl, er kühlt einen stärker.

Und wenn jemand Fieber hat? Sicherlich gibt es doch minimale Unterschiede.

Wenn die Kerntemperatur des Körpers höher ist, würde ich davon ausgehen, dass auch die Luft, die du ausatmest, wärmer ist. Weil sie ja von innen gewissermaßen vorgeheizt ist.

Wenn sich ein Kind leicht verletzt hat, pustet man ja gern auf die Stelle – für die Kühlung, oder geht es doch nur um die Ablenkung?

Also da steckt eher Psychologie dahinter. Eine Prellung würdest du natürlich schon kühlen, aber da dürfte das Pusten bei Weitem nicht ausreichen, da müsstest du schon eine Kühlkompresse nehmen. Für den Anfang ist es wichtig, dass man dem Kind Zuwendung signalisiert, denke ich, und das Gefühl vermittelt, man hilft ihm. Auch wenn das jetzt unmittelbar keine sonderlich hilfreiche Aktion ist, das ist dann gewissermaßen ein Placeboeffekt.

Das mit der Zuneigung gilt sicher auch für Erwachsene.

Das ist richtig, aber da pustet man eher nicht. Ist mir jedenfalls noch nicht begegnet.

Gerade jetzt im Winter sieht man ja manchmal den eigenen Atem. Wie ist das zu erklären?

Das ist auch relativ einfach: Wir haben in unserer Atemluft immer auch Wasser drin, und wenn das mit einer Temperatur von über 30 Grad ausgeatmet wird und in eine Umgebung kommt, die womöglich unter null ist, kondensiert das Wasser zu Tröpfchen, und die sieht man dann als Nebel.

Abonniere das »nd«
Linkssein ist kompliziert.
Wir behalten den Überblick!

Mit unserem Digital-Aktionsabo kannst Du alle Ausgaben von »nd« digital (nd.App oder nd.Epaper) für wenig Geld zu Hause oder unterwegs lesen.
Jetzt abonnieren!

Linken, unabhängigen Journalismus stärken!

Mehr und mehr Menschen lesen digital und sehr gern kostenfrei. Wir stehen mit unserem freiwilligen Bezahlmodell dafür ein, dass uns auch diejenigen lesen können, deren Einkommen für ein Abonnement nicht ausreicht. Damit wir weiterhin Journalismus mit dem Anspruch machen können, marginalisierte Stimmen zu Wort kommen zu lassen, Themen zu recherchieren, die in den großen bürgerlichen Medien nicht vor- oder zu kurz kommen, und aktuelle Themen aus linker Perspektive zu beleuchten, brauchen wir eure Unterstützung.

Hilf mit bei einer solidarischen Finanzierung und unterstütze das »nd« mit einem Beitrag deiner Wahl.

Unterstützen über:
  • PayPal
Mehr aus: ndPodcast