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Sandro Wagner beim FC Augsburg: Die graue Maus und der Star
Der neue Trainer zieht die Blicke der Bundesligafans auf sich
Sandro Wagner trainiert den FC Augsburg. Das ist ein bisschen so, als wäre Xabi Alonso Trainer von Bayer Leverkusen – nur eben eine Stufe darunter. Alonso hat in seiner Karriere mehrere Champions-League-Titel gewonnen, zweimal die Europameisterschaft und ist Weltmeister. Da kann Wagner keinesfalls mithalten. Und doch bringt der ehemalige Stürmer des FC Bayern und der deutschen Nationalmannschaft eine Strahlkraft mit nach Augsburg, die sie im Verein so noch nicht erlebt haben.
Schon als Spieler fiel Wagner gerne mal durch markante Aussagen auf, galt als sogenannter »echter Typ«. Obwohl ihm erst spät der Durchbruch gelang, im Alter von 28 Jahren, etablierte er sich als Stammspieler in der Bundesliga, führte ihn sein Weg bis in die deutsche Nationalmannschaft. »Als Profi habe ich das Maximum aus meinen Fähigkeiten herausgeholt«, sagte der gebürtige Münchner im Podcast »Phrasenmäher« und verkündete: »Ich bin felsenfest davon überzeugt, dass ich als Trainer erfolgreicher werde.«
Wagner hat sich vorbereitet
Dafür hat sich der 37-Jährige clever positioniert. Zunächst ein halbes Jahr Erfahrungen sammeln in der Jugendarbeit beim DFB und dann in Unterhaching, bevor er bei der SpVgg den Trainerposten der ersten Mannschaft übernahm. Parallel absolvierte er seine Trainerlizenzen und gewann als TV-Experte, zunächst beim Streaming-Sender »DAZN« und dann beim »ZDF«, viele Sympathien des Fernsehpublikums für sich – ganz wie es schon Jürgen Klopp tat, der wohl größte deutsche Trainer in jüngerer Vergangenheit. Ein Beispiel, dem junge Trainer durchaus zu folgen versuchen. Mit der Drittligameisterschaft im Gepäck ging Wagner zurück zum DFB – und wurde als Ko-Trainer von Julian Nagelsmann eines der Gesichter der beliebtesten deutschen Fußballnationalmannschaft seit 2014.
Die logische Folge? Offerten aus der Bundesliga. »Ich habe in den letzten anderthalb Jahren auch einige Anfragen abgelehnt«, offenbarte Wagner im »Phrasenmäher«. Umso überraschender scheint daher, auf den ersten Blick, die Zusage für den FCA. Die graue Maus der Bundesliga, die in den letzten Jahren stets für eine gute Defensive stand, offensiv aber unspektakulär blieb, nie gefährlich genug für Europa war, aber stets zu stabil, um abzusteigen – und ehrlich gesagt niemanden außerhalb der Fuggerstadt so richtig interessierte. Andererseits bietet Augsburg somit auch guten Nährboden für eine erste Trainerstation im Oberhaus, ohne den ganz großen medialen Druck, den es in Bremen, Hamburg oder Köln gegeben hätte.
Die Blicke wandern nach Augsburg
Für den FCA stellt die Anstellung Wagners eigentlich das größere Risiko dar. Mit Vorgänger Jess Thorup war die Mannschaft zumindest nie in Gefahr, abzusteigen. Womöglich, nein, wahrscheinlich ist ein Grund für die Verpflichtung des Trainers, der außer einer Saison in der dritten Liga keine Erfahrung als Cheftrainer besitzt, auch der Glamour-Faktor Sandro Wagners. »Niemand ist größer als der Verein, aber natürlich ist es schön, wenn wir Personen mit Strahlkraft haben«, sagte Geschäftsführer Michael Ströll, als er seinen neuen Trainer präsentierte.
Und tatsächlich: Wohl keine Pressekonferenz des FCA war in der letzten Saison so gut besucht wie die Antritts-PK von Wagner. Nach dem erfolgreichen Bundesligastart, dem 3:1-Sieg beim SC Freiburg, schien sich kein Journalist wirklich für den Trainer des Jahres, Freiburgs Julian Schuster, zu interessieren. Nein, alle wollten wissen, wie der Herr Wagner sein Debüt erlebt hat.
Der wiederum fokussierte sich lieber auf sein Team: »Im Kreis mit den Spielern nach dem Abpfiff ist mir nichts Besseres eingefallen, außer ›Danke‹ zu sagen«, erzählte er. Und die Spieler gaben das Lob gerne zurück: »Er ist einfach menschlich sehr gut«, lobte Offensivmann Elias Saad nach dem Spiel. Torschütze Marius Wolf ergänzte: »Sandro ist ein sehr guter Trainer. Wir haben seit Tag eins extrem viel gearbeitet, in den ersten Wochen Grundlagen geschaffen und sind jetzt an den Details dran. Wir sind noch am Anfang, aber wir werden Tag für Tag besser.«
Am Samstag kommt der Meister
Im zweiten Spiel geht es nun gegen den großen FC Bayern: den Branchenprimus und den Verein, in dem Wagner seine Jugend verbracht hat und zum Ende seiner Karriere noch zweimal deutscher Meister wurde. Für Wagner aber sei es nichts Besonderes: »Es hört sich blöd an, aber Bayern wird für uns ein normales Bundesliga-Spiel.«
Beim Rekordmeister ist derzeit viel los. Es werden öffentlich Debatten ausgetragen, zwischen Sportvorstand Max Eberl, der gerne neue Spieler kaufen würde, und Ehrenpräsident Uli Hoeneß, der nur Leihen erlaubt und das durchsetzen kann, obwohl er eigentlich gar keine Führungsposition mehr innehat. Spieler wie Harry Kane kritisieren die mangelnde Kaderbreite und Fans schauen ganz genau hin, ob auch die jungen Talente zu Einsätzen kommen. Zu alledem verspielte das Team im Pokal bei Drittligist Wehen Wiesbaden beinahe eine 2:0-Führung. Nur durch einen späten Treffer von Harry Kane konnten sie die Verlängerung noch abwenden. Die erste Frage an Trainer Vincent Kompany auf der Pressekonferenz am Freitag vor dem Spiel in Augsburg lautete also logischerweise: »Was halten Sie von Sandro Wagner?«
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