Aus für Thor-Steinar-Laden in Hamburg

Tägliche Demonstrationen von Antifaschisten zeitigten Erfolg

Die Hamburger HSH Nordbank fühlt sich »arglistig« getäuscht und trennt sich zum Monatsende von einem rechten Ladengeschäft in seiner Shopping Passage in der Innenstadt, das erst vor Wochen eröffnet worden war. Zuvor hatte es Proteste von Antifa-Gruppen gegeben.

Sie soll laut Eigenwerbung eine »Oase im Zentrum der Großstadt« sein – die HSH Nordbank Shopping Passage. Direkt in der Hamburger Innenstadt beherbergt die Shopping-Passage über 30 Geschäfte. Von einem Ladenlokal wird sich die HSH Nordbank jedoch Ende des Monats nach nur kurzer Partnerschaft trennen – dann wird der erste Thor-Steinar-Laden im Westen der Bundesrepublik seine Pforten schließen.

Eröffnet wurde der Laden unter dem Namen »Breviek« erst Ende September. Er verkauft hauptsächlich Thor-Steinar-Mode, die in rechten Kreisen sehr beliebt ist. Neben Runenschrift werden auf den Textilien immer wieder Bezüge zu offen rechtsradikalem Gedankengut hergestellt. So gibt es beispielsweise T-Shirts mit den Aufdrucken »Wüstenfuchs« oder »Luftlandedivision«. Uwe Meusel versucht seit geraumer Zeit als Geschäftsführer mit seiner Firma Mediatex, die die Marke Thor Steinar vertreibt, exklusive Ladengeschäfte zu eröffnen, um die Marke salonfähig zu machen.

Naivität oder Interessenlosigkeit?

Bei der Ladeneröffnung am 26. September in Hamburg ließ der Protest nicht lange auf sich warten. Über 100 Neonazi-Gegner protestierten gegen die Eröffnung und auch die Geschäftsführung der HSH Nordbank zeigte sich bestürzt. Die Immobilientochter der Bank sei arglistig getäuscht worden, verkündete Pressesprecher Christian Buchholz. In den Mietverhandlungen sei es um einen »multifunktionalen Outdoorladen namens Protex« gegangen – von der Marke Thor Steinar sei nie die Rede gewesen.

Wolfram Siede vom Hamburger Bündnis gegen Rechts bezweifelt die Aussage der HSH Nordbank. »Laut unseren Informationen tauchten rund 20 Markennamen der Firma Mediatex, darunter u.a. Thor Steinar, in dem Vertrag auf. Die HSH Nordbank hätte diese schnell googlen können«, so Siede gegenüber ND. Er unterstellt der Bank zumindest eine gewisse Naivität bei der Prüfung ihres Mieters.

Nach Eröffnung des Ladens kam es täglich zu Demonstrationen von Antifaschisten vor der Shopping-Passage. Die Polizei ist seitdem permanent vor Ort präsent und erteilte knapp 70 Platzverweise gegen Demonstranten. Und auch die HSH Nordbank reagierte zunehmend nervöser auf ihren Mieter. »Uns war nicht klar, auf wen wir uns einlassen. Und da die Sicherheitslage immer prekärer wurde, wird der Fünf-Jahres-Vertrag zum 31.10. aufgelöst«, so Gesine Dähn, Pressesprecherin der HSH Nordbank gegenüber ND.

Prämie oder Kostenerstattung?

Ob für die vorzeitige Auflösung des Vertrages eine Prämie an Meusel und seine Firma von Seiten der HSH Nordbank gezahlt wurde, bleibt ungewiss. »Wir zahlen keine Abfindung und keine Prämie. Wir erstatten lediglich die entstandenen Kosten«, so Dähn gegenüber ND.

Meusel selbst hat gegenüber der »Hamburger Morgenpost« behauptet, er ziehe nur aus, weil die Summe angemessen gewesen wäre. Über weitere Details haben beide Parteien Stillschweigen vereinbart.

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