Das Paradoxon des Vergessens

Zwei Revolutionen im November – ein Vergleich zwischen 1918/19 und 1989

  • Von Werner Bramke
  • Lesedauer: ca. 7.0 Min.
Massenkundgebung auf dem Augustusplatz in Leipzig am 9. November 1918

Wenige Tage vor dem 9. November deutet in den Medien nichts auf eine besondere Würdigung jener Revolution hin, die vor 90 Jahren den Weg in eine demokratische Republik eröffnete. Um so mehr erfahren wir seit Monaten, wie der »friedlichen Revolution« von 1989 gedacht werden soll. Warum wird dem zeitlich viel näher liegenden Jahrestag bisher keine Aufmerksamkeit geschenkt? Warum stellen nicht wenigstens die Historiker öffentliche Überlegungen über mögliche Zusammenhänge zwischen beiden Revolutionen an?

Wahrscheinlich werden schon hier Leser die Gegenfrage stellen, ob der Umbruch von 1989/1990 überhaupt als revolutionär zu bezeichnen, also ein Vergleich mit der Novemberrevolution 1918 legitim sei? Immerhin stehen die bisherigen Charakteristiken als »nachholende Revolution« (Habermas), »protestantische Revolution« (Pollack) oder gar »sächsische Revolution« (Blaschke) auf wackligen Füßen. Auch Erhart Neuberts jüngste Deutung als »unsere«, g...


Wenn Sie ein Abo haben, loggen Sie sich ein:

Mit einem Digital-, Digital-Mini- oder Kombi-Abo haben Sie, neben den anderen Abo-Vorteilen, Zugriff auf alle Artikel seit 1990.

Bitte aktivieren Sie Cookies, um sich einloggen zu können.