Nicht einmal leises Knattern vor dem Motorschaden

Die Motorradlegende MZ findet ein stilles Ende – auch, weil die nicht organisierte Belegschaft auf Protest verzichtete

  • Von Hendrik Lasch, Zschopau
  • Lesedauer: ca. 3.0 Min.

Vor 87 Jahren begann in Zschopau die industrielle Herstellung von Motorrädern. Jetzt ist MZ am Ende. Ein malaysischer Investor hatte keine zündende Idee, die Belegschaft verzichtete auf organisierten Widerstand.

Die Chronik endet abrupt. »Seit 40 Jahren«, heißt es auf einer Schautafel im Motorradmuseum auf der sächsischen Augustusburg, »erfüllt MZ seine Aufgabe als Hersteller sinnvoller Gebrauchsmotorräder«. Der Eintrag steht hinter der Jahreszahl 1990. Er rundet eine beeindruckende Aufzählung von Unternehmenserfolgen ab: 1970 lief in dem Motorradwerk im Erzgebirge das einmillionste Motorrad vom Band; 1980 montierten 3000 Beschäftigte die robusten Zweitakt-Maschinen, die auf den DDR-Straßen omnipräsent waren. Ein Grund für die Beliebtheit war der einfache Aufbau: »Jeder Dorfschmied«, sagt Ullrich Heim, politischer Sekretär bei der IG Metall in Chemnitz und langjähriger MZ-Fahrer, »konnte etwas daran machen.«

Jetzt wäre auf der Schautafel im Museum ein weiterer Eintrag fällig – der letzte. Ende 2008 wurden die verbliebenen 30 MZ-Mitarbeiter gekündigt. Der 1996 als Eigentümer eingestiegene malaysische Konzern Hong Leong zieht sich nach anha...


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