Mehr Frauen sollen an der Spitze stehen

Potsdam (ND/dpa). Anlässlich des Internationalen Frauentages forderte Gesundheitsministerin Anita Tack (LINKE) gestern mehr Anerkennung für die Leistungen von Frauen. Dies gelte für Beruf, Familie und gesellschaftliche Arbeit. Es habe sich bei der Gleichstellung von Frauen und Männern in den letzten 100 Jahren viel getan, vor allem durch das Engagement von Frauen. »Wir sind zwar auf dem richtigen Weg, aber längst noch nicht auf der Zielgerade.« Die Frauen in Tacks Ministerium erhielten zum Frauentag einen kleinen Blumengruß.

Gerade weil im Kampf um die Gleichberechtigung viele Probleme noch ungelöst seien, widme die rot-rote Koalition diesem Anliegen besondere Aufmerksamkeit, erklärte die Landtagsabgeordnete Helga Böhnisch (LINKE). Ein wichtiges, im Koalitionsvertrag fixiertes Vorhaben sei die Erarbeitung eines gleichstellungspolitischen Rahmenprogramms. Die Abwanderung junger, qualifizierter Frauen müsse gestoppt werden, sagte Böhnisch. Der Einstieg in einen flächendeckenden Mindestlohn sei ein Schritt bei der Realisierung der Forderung »gleicher Lohn für gleiche Arbeit«. Die Abgeordnete verwies in diesem Zusammenhang darauf, dass sich in Brandenburg besonders Frauen in prekären Arbeitsverhältnissen befinden. Akzente der Gleichstellung könnten ein Kriterium für die Vergabe öffentlicher Aufträge sein, regte Böhnisch an. Der Anteil von Frauen in Führungspositionen, zum Beispiel in Aufsichtsräten, könnte über eine Frauenquote erhöht werden.

Die Landtagsabgeordnete Ursula Nonnemacher (Grüne) rügte, in Brandenburg gebe es zu wenig Frauen in politischen Spitzenämtern: »In der Ministerriege finden sich neben sieben Ministern nur zwei Ministerinnen – das ist eine krasse Ungleichheit bei der Besetzungen von Regierungsämtern. Auf Staatssekretärsebene – acht Staatssekretäre stehen drei Staatssekretärinnen gegenüber – wiederholt sich dieses Missverhältnis. Und auch bei den Landräten ist derzeit keine Frau zu finden.«

Solange Frauen in Deutschland im Durchschnitt 23 Prozent weniger verdienen als Männer, bleibe Gleichberechtigung ohne wirtschaftliches Fundament und damit illusorisch, erklärte Nonnemacher. Hohe Teilzeitquoten, fehlende Kindergärten, klassische Frauenberufe im Niedriglohnsektor und schlechte Aufstiegschancen halten Frauen in Abhängigkeit, ist Nonnemacher überzeugt. Frauen »haben ein erhöhtes Armutsrisiko, insbesondere alleinerziehende Mütter«. Von Altersarmut seien gerade Frauen bedroht. Gerechte Löhne, eine bessere Berufsberatung und eine partnerunabhängige Absicherung bei Krankheit und im Alter seien unabdingbar.

Positiv sei, dass die Frauen im Namen des Ministeriums für Arbeit, Soziales, Frauen und Familie wieder auftauchen, so Nonnemacher. Auch die zügige Besetzung der Position der neuen Landesgleichstellungsbeauftragten sei begrüßenswert.

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