Museum für Film
Dschungelcamp
Im grünen Halbdunkel zirpt, knackt, gurrt und schnattert es, Affen kreischen, Vögel stoßen schrille Warnschreie aus. Still ist es nie im Dschungel, hell auch nicht, da durch das dicke Blätterdach kaum Licht dringt. Mit Dämmerlicht, hohen grünen »Baumsäulen« und einem dichten Klangteppich versucht die großartige Kinderausstellung »Im Dschungel« im Museum für Film und Fernsehen, diese fremdartige Atmosphäre nachzustellen – und hinterfragt gleichzeitig, wie Bücher, Comics und Filme unsere Vorstellung vom Regenwald beeinflussen.
Wer hier auf Entdeckungsreise geht, lernt viel Neues, auch als Erwachsener. Konzipiert ist die in fünf Bereiche gegliederte Ausstellung aber für Kinder ab vier Jahren. In den grünen Säulen, die stellvertretend stehen für die riesigen Urwaldbäume, verstecken sich in unterschiedlicher Höhe kleine Monitore und Vitrinen, auf denen per Knopfdruck Filmausschnitte zu sehen sind, präparierte Käfer hinter Glas oder Pflanzen. Kinder können dort bequem hineingucken, Erwachsene müssen schon mal auf die Knie gehen oder sich auf den Boden legen. Doch es lohnt sich: In Kurzfilmen werden seltene und faszinierenden Bewohner des Regenwalds vorgestellt – wie die Königskobra oder der Kragenparadiesvogel. Oder die verschiedenen Heilpflanzen.
Die Station »Mythen und Geschichten« etwa thematisiert mit Filmbeispielen, inwiefern Buch- und Filmklassiker wie Tarzan oder Kiplings »Dschungelbuch« unsere Vorstellung vom Urwald prägen, wie Filmemacher in verschiedenen Epochen den Stoff umsetzten und auch, wo sie dabei schwindelten: So wurde in einer Verfilmung Lippenbär Balu durch einen Schwarzbär ersetzt, der eigentlich in Nordamerika zu Hause ist. Das »Dschungelbuch« selbst erschien vor über 100 Jahren, ein Exemplar liegt in einer der Glasvitrinen, in denen Dinge nur zum Anschauen sind. Anschauungsmaterial zeigt, wie mühsam die Arbeit als Forscher früher war: ein schweres Kameraungetüm aus dem Jahr 1910 oder ein Zeichenbuch, in das die Wissenschaftler im 18. und 19. Jahrhundert ihre Entdeckungen notierten und zeichneten.
Ein bisschen sollen sich auch die Kinder so fühlen. Wer sein Expeditionstagebuch sorgfältig führt, dem winkt am Ende ein Forscherausweis und damit freier Eintritt in die »Dschungel«-Filmreihe im Arsenal. Die ungewöhnliche Konzeption der Schau macht den Rundgang zum Abenteuer. Hinter eng stehenden Säulen lauert ein Königstiger – zwar ein ausgestopftes Exemplar aus dem Jahr 1915 – ein Säulenlabyrinth öffnet sich zu einer Lichtung, aus Tag wird Nacht, wobei die Geräuschkulisse wie im echten Dschungel dramatisch ansteigt. Je nach Interesse (und Alter) lernen die Kinder mehr über ungewöhnliche Berufe wie Wipfelforscher oder Tierfilmer.
Auch die weltweite Gefährdung des Regenwalds durch Abholzung, Klimawandel und Ausbeutung wird kindgerecht und ohne Kitsch dargestellt. Eine große Weltkarte zeigt, wie viel Regenwald es früher gab und wie erschreckend wenig davon übrig geblieben ist. Warum und wie die »grüne Lunge der Erde« so rasant vernichtet wird, zeigt die letzte Station des Rundgangs. Grund ist wieder einmal der Massenkonsum des westlichen Menschen. Ausstellungen wie diese tragen aber hoffentlich zu einem Bewusstseinswandel bei.
Bis 30.1., geöffnet Di.-So. 10-18 Uhr, Do. bis 20 Uhr; Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen, Potsdamer Str. 2, Mitte
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