Grenzen überschreiten

  • Klaus Joachim Herrmann
  • Lesedauer: 2 Min.

Manchmal haben rot-rote Politiker auch mit Blau-Weiß oder Rot-Weiß zu tun. Das belegt das Beispiel der Parlamentarischen Fraktionsgeschäftsführer Christian Gaebler (SPD) und Uwe Doering (LINKE), die gemeinsam als Fußballfans zur Alten Försterei gingen. Gaebler als Gast mit Hertha-Schal, Doering wegen Heimvorteils mit Union-Mütze. Als ein Ordner den Schalträger in den Gästeblock verweisen wollte, leistete der Mützenträger Bürgschaft. Der Schal musste zur Vermeidung von Komplikationen in einer Tasche verbleiben. Christian Gaebler, der unter den Unionern auch drei weitere ausgewiesene Hertha-Fans ausmachte, erwägt nun eine Teilnahme an der Fan-Demo »KEIN KICK OHNE FANS! ZUM ERHALT DER FANKULTUR!« am 9. Oktober um 13 Uhr auf dem Alexanderplatz. Fans seien eben doch »keine Verbrecher«.

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Es irrt, wer da meint, eine Stadtautobahn sei räumlich festgelegt, zum Beispiel in Berlin zwischen den Stadtteilen Neukölln und Treptow. Sie ist grenzüberschreitend. Warum sonst hätte sich wohl »mit großem Interesse und Entsetzen« der Arbeitskreis Hallesche Auenwälder zu Halle (Saale) e.V. (AHA) zu Wort gemeldet und die »Einstellung aller Vorhaben zur Verlängerung der BAB 100 in Berlin« gefordert. Laut Selbstauskunft wirbt der AHA nämlich »für den Schutz, Erhalt und die Betreuung von Auenlandschaften«. Deren Bestand sei »durch Ausbaumaßnahmen jeglicher Art an einzelnen Standorten und im Gesamtbestand gefährdet«. Auenland ist überall.

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Ob man denn davon ausgehen könne, dass sich zu Jahresbeginn an jeder Berliner Gaststätte ein Smiley finden werde, fragte die Abgeordnete Bärbel Holzheuer-Rothensteiner im Parlament. Die zuständige Senatorin für Verbraucherschutz, Katrin Lompscher (beide LINKE), blieb die Antwort nicht schuldig, aber doch eher heiter unbestimmt: »Prognosen sind ja bekanntlich immer schwierig, besonders bezogen auf die Zukunft.«

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