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Lob für die Kulturwerkstatt

Kulturausschuss würdigt Stiftung Oper / Grüne fordern Diskussion um nationales Einheitsdenkmal

In den neuen Gebäuden der Stiftung Oper am Wriezener Bahnhof wird nicht nur geschneidert, gehämmert und modelliert, sondern auch getagt. Zumindest am gestrigen Montag, als der Kulturausschuss des Abgeordnetenhauses seine Sitzung in der Tapezierwerkstatt abhielt. Aus gegebenem Anlass, denn auf der Tagesordnung standen Fragen zur Lage der Opernstiftung.

Unter den Abgeordneten, die zuvor eine Führung durch die hellen Werkstätten bekommen hatten, herrschte ungewohnte Einigkeit. Alle Fraktionen zeigten sich beeindruckt von dem ambitionierten Projekt und seiner Umsetzung. Peter F. Raddatz, Generaldirektor der Stiftung Oper und Geschäftsführer des Bühnenservice gab sich stolz: »Was hier geschaffen wurde, ist weltweit einzigartig.« Noch sind auf dem Gelände Bauarbeiter zu Gange, doch Mitte Mai sollen die Arbeiten abgeschlossen sein. Die Stiftung Oper wurde 2004 mit den fünf eigenständigen Betrieben Deutsche Oper, Komische Oper, Staatsoper Unter den Linden, Staatsballett und dem Bühnenservice gegründet. Der Bühnenservice am Wriezener Bahnhof erledigt zentral die Dekorations- und Kostümproduktion für die einzelnen Häuser.

Finanziert wurde das Großprojekt durch den Verkauf von Liegenschaften. Gerechnet habe man mit einem Erlös von 25 Millionen Euro, so Raddatz. Derzeit erwarte man sogar einen geringfügigen Überschuss. Das Bieterverfahren für einen Teil des Verwaltungs- und Magazingebäudes in der Französischen Straße sei jetzt abgeschlossen. Der neue Eigentümer wolle daraus ein Vier-Sterne-Hotel machen.

Von ganz anderer Art sind die Pläne für die zweite Gebäudehälfte. Der Dirigent Daniel Barenboim will diese zum Musikzentrum machen und dort sein »West-Eastern Divan Institute« einrichten, in dem junge Musiker aus Israel und den arabischen Ländern gemeinsam musizieren. Staatssekretär André Schmitz begrüßte das Unterfangen ausdrücklich, betonte aber, dass der Senat keine Mittel habe, um eine Sanierung zu bezuschussen.

In den weitläufigen Gebäuden des Bühnenservice sind 193 Mitarbeiter beschäftigt, darunter 70 Auszubildende. Dennoch zeigte sich Raddatz besorgt um den Nachwuchs, vor allem im Bereich Schneiderei. Man setze verstärkt auf die Kooperation mit Schulen, um Auszubildende anzuwerben.

Noch nicht an den Bühnenservice angegliedert ist das Maxim Gorki Theater. Es hat lediglich einen Mietvertrag abgeschlossen und kann in den Werkstätten autonom arbeiten. Raddatz betonte, dass dieser Service nur vorübergehend sei, um Berührungsängste abzubauen. Es besteht die Hoffnung, auch das Gorki Theater bald anzugliedern.

Außerdem auf der Tagesordnung des Ausschusses stand das nationale Freiheits- und Einheitsdenkmal, das auf der Schlossfreiheit in der Mitte Berlins errichtet werden soll. Es müsse neu diskutiert werden, forderten die Grünen in einem Antrag. Alice Ströver sprach von einem »undemokratischen Verfahren«. Die Diskussion um das Denkmal sei losgelöst von der Stadtgesellschaft geführt worden. Nachdem der erste Wettbewerb 2009 gescheitert war, hatte die zweite Ausschreibung 2010 zu einer Entscheidung geführt. Allerdings wurden gleich drei Sieger gekürt – welcher Entwurf realisiert wird, ist unklar. Die Grünen kritisierten, dass der Staatsminister für Kultur und Medien nun eigenmächtig entscheiden wolle, welcher der Entwürfe gebaut wird. Die anderen Fraktionen lehnten den Antrag geschlossen ab.

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