Alle Algen fliegen ... hoch!

Biolumne

  • Von Reinhard Renneberg, Hongkong
  • Lesedauer: 2 Min.
Zeichnung: Chow Ming
Zeichnung: Chow Ming

Die Hongkonger Fluggesellschaft Cathay Pacific will ihre Jets künftig mit Biosprit betanken, aus Finanzgründen. Derzeit entfallen 35 Prozent ihrer Betriebskosten auf Kerosin. Bei einer Beimengung von 50 Prozent Biokerosin käme das 1,4 Milliarden Euro billiger. Deshalb erwägen »Fat Cat« und ihre Tochter Dragonair sogar, in die Produktion einzusteigen.

Die Hongkonger Airlines haben sich natürlich vor ihrem Entschluss umgeschaut: KLM Royal Dutch Airlines nutzt Biosprit auf etwa 200 Flügen zwischen Amsterdam und Paris. Lufthansa hat gerade ein Sechs-Monate-Experiment abgeschlossen und flog mit Biokerosin über den Atlantik. Für den Interkontinentalflug Frankfurt-Washington wurden ca. 40 Tonnen Biokerosin benötigt.

»Pack den Hunger in den Tank!« rufen die Kritiker. Werden künftig arme Entwicklungsländer Mais produzieren, nur damit wir Reichen billiger Auto fahren und fliegen können?

Algen klingen in diesem Zusammenhang sehr vielversprechend. Sie konkurrieren nicht mit Nahrungsmitteln; ihr Problem ist vielmehr das erforderliche Wasser. Mark Wigmosta vom Energy National Labor Pacific Northwest in Richland (US-Bundesstaat Washington) hat im Regierungsauftrag die Algenvariante genau untersucht. Klar ist, dass die sonnigen und feuchten Regionen der USA ideal sind. Also die Golfküste, Florida und die Großen Seen. Geschützte Feuchtgebiete, Nationalparks und potenzielle Ackerböden waren ausgeschlossen. Zusätzlich wurden die Wetterinformationen der letzten 30 Jahre ausgewertet: Wie viel Sonnenschein und welche Temperaturen sind zu erwarten?

Algenzellen enthalten fettartige Lipide, die extrahiert und zu Kraftstoff weiterverarbeitet werden. Eine erste Hochrechnung ergab ein mögliches Produktionsvolumen von 80 Milliarden Liter Algen-Öl pro Jahr. Dies entspricht 17 Prozent des 2008 für Transportzwecke in die USA importierten Rohöls. Für die Herstellung dieser Menge würde die Gesamtfläche des US-Bundesstaates South Carolina benötigt, was in Europa etwa der Fläche Serbiens entspricht.

Es gibt auch andere Ansätze mit weniger Flächenverbrauch: Im deutschen Institut für Getreideverarbeitung in Bergholz-Rehbrücke entwickelte ein Team um Otto Pulz einen Photobioreaktor, in dem Algen in einem Schlauch-/Röhrensystem dieselbe Dienstleistung auf deutlich weniger Raum vollbringen.

Algen sind schon in der Fläche für Sprit 80 Mal ergiebiger als Mais! Und das Beste: Algen sind Multitalente, sie »verbrauchen« Kohlendioxid, Stickstoff und Phosphor. Sie könnten also zugleich Abwässer klären und Treibstoff erzeugen. In Bioreaktoren kann man sie dort platzieren, wo es etwas »zu fressen« gibt.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Öl »Made in USA« und Umweltschutz! Dieses eine Mal glaube ich sogar George W. Bush aufs Wort - dass er das vor der Irak-Invasion nicht gewusst hat. Das amerikanische Schulsystem eben ...

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