Gottes Humor

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Psalm 37: »Und Gott lachte über seine Feinde.« Also hat er Humor. Was eine gewisse Voraussetzung gewesen sein muss, um diese Welt zu erschaffen. Aber wieso lachte er nur über seine Feinde? Gott ist doch kein Linker, wo man in langen Klassenkampfzeiten einen bierernsten Kampf gegen die Selbstironie führte. Wie solch ein Rumor denjenigen, der besonders stark wirken will, mehr denn je in die Lächerlichkeit treibt - das beweist derzeit Gottes Stellvertreter. Stellvertreter sind aus Erfahrung humorloser als der Chef, denn sie müssen oft genug dessen Arbeit machen.

Ratzinger ist sehr Stellvertreter, also sehr humorlos. Er hat das jüngste Titelbild und die Rückseite des Satiremagazins »Titanic« durch ein Hamburger Gericht verbieten lassen. In der Affäre ums Verschwinden geheimer Dokumente aus dem Vatikan offeriert das Magazin nämlich den Papst, mit gelbem Urin- bzw. braunem Kackfleck auf der Soutane, dazu die Zeile »Halleluja im Vatikan - Die undichte Stelle ist gefunden«.

Nun musste geschwärzt werden, aber im Internet freut sich Benedikt mit zwei großen Flaschen Limonade - die Herkunft des hellen Flecks ist demnach stichhaltig und raffiniert ins Biedere verkehrt worden. Chefredakteur Leo Fischer, 1981 als Arztsohn in München geboren, freut sich. Denn ein Großteil der Abo-Auflage ist ausgeliefert, der Hauptteil der Kiosk-Menge auch. Und Widerspruch legt die Zeitschrift natürlich ebenfalls ein, und wenn es sein muss, »bis zum Jüngsten Gericht«.

Fischer studierte Literaturwissenschaft, Philosophie und Publizistik, er ist seit Oktober 2008 Chefredakteur der »Titanic«. Humor hält er für ein »Gegenmittel zur Angst«, der Witz stärkt die Tugend, indem er auch sie nicht nur immer ernst nimmt. In diesem Sinne geht das Blatt mit Freuden dorthin, wo es weh tut, es treibt Seiltanz auf jeder Gürtellinie.

Wie pikiert der Papst nun auf die beiden Soutane-Flecken an den Zentralorganen seiner Herrschaft starrt - es ist nach den vielen Missbrauchsfällen jüngerer Zeit ein erneutes Beispiel dafür, wie permanent falsch Rom das immer verstanden hat: Kirche von unten.

Hans-Dieter Schütt

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