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  • Fußball - EM-Qualifikation U21

Jagdszenen nach dem 1:1

DFB-Elf in der Endrunde/Türkei drohen harte Strafen

  • Von Mark Stralau
  • Lesedauer: ca. 2.0 Min.
Was hat das mit Fußball zu tun? Dem Jubel auf dem Platz über das Erreichen der Europameisterschafts-Endrunde folgten für die deutschen Fußball-Junioren wilde Jagdszenen. Im Tunnel zu den Kabinen wurden die U21-Spieler nach dem 1:1 (Hinspiel 1:0) gegen die Türkei im Stadion von Fenerbahce Istanbul von Polizisten, Ordnungskräften und Sicherheitsbeamten geschlagen, getreten und übel beschimpft.
»So etwas habe ich in Europa noch nicht erlebt. Hier wurde das Fairplay mit Füßen getreten«, wütete DFB-Trainer Uli Stielike. Nicht nur das Fairplay. Während sich Stielike noch beklagte, wurden seine Spieler von den DFB-Medizinern im Umkleideraum versorgt. Maik Franz (VfL Wolfsburg) hatte am linken Ohr eine Platzwunde erlitten, Torschütze Benjamin Auer (FSV Mainz 05) ließ sich nach einem Tritt gegen das Bein behandeln, und selbst Schiedsrichter Michael Benes (Tschechien) musste vom DFB-Arzt am Kopf mit zwei Stichen genäht werden.
Der UEFA-Vertreter Tom A. Restall aus Malta überzeugte sich in der deutschen Kabine von den Folgen der Ausschreitungen. Das Strafmaß der UEFA kann von einer hohen Geldstrafe bis zur Platzsperre reichen.
Rund 50000 türkische Zuschauer und das Ordnungspersonal hatten nach Auers Tor in der Nachspielzeit und dem Ausscheiden ihrer Mannschaft völlig die Fassung verloren. Die türkischen Medien verteidigten gestern einhellig die Entgleisungen. Die deutschen Spieler hätten mit »übertriebener Freude« und »beleidigenden Gesten« die türkischen Fans geradezu provoziert, so das Credo.
Das sportliche Geschehen geriet bei diesem Skandalspiel fast in den Hintergrund. Die Freude über den Einzug in die EM-Endrunde vom 27. Mai bis 8. Juni 2004, für die sich der DFB als Gastgeber beworben hat, und den Erhalt der Olympia-Chancen war verdorben.
Zuvor hatten die DFB-Youngster überzeugend gekämpft. Nach dem 0:1 durch Hamit Altintop (69.) von Schalke 04 schien alles für die Türken zu laufen. Sie hatten das 0:1 von Leverkusen egalisiert und wären mit einem weiteren Treffer für die Endrunde qualifiziert gewesen. Der nach einer Stunde ins Spiel gekommene Auer machte aber in der dritten Minute der Nachspielzeit mit dem 1:1 das Weiterkommen des DFB perfekt. Der mitgereiste Rudi Völler lobte: »Das war ein Highlight für den deutschen Fußball.« Wenn nicht die Szenen nach dem Spiel gewesen wären...

Türkei: Demirel - Özbay (59. Bayar), Balci, Toraman, Usta - Hamit Altintop, Inceman, Cetin, Sahin - Halil Altintop, Aslan (46. Kaloglu).
Deutschland: Wiese (Kaiserlautern) - Görlitz (1860), Schlicke (Hamburg - 89. Preuß/E. Frankfurt), Maik Franz (Wolfsburg), Lahm (Stuttgart), Balitsch (Leverkusen), Tiffert (Stuttgart), Broich (Burghausen), Hitzlsperger (Aston Villa - 71. Riether/Freiburg), Hanke (Schalke - 61. Auer/Mainz 05), Lauth (1860).
Tore: 1:0 Altintop (68.), 1:1 Auer (90./+3). Schiedsrichter: Benes (Tschechien) - Zuschauer: 50000.

Achtelfinale, Rückspiele: Norwegen - *Serbien-Monten. 3:0 (Hinspiel 1:5), Türkei - *Deutschland 1:1 (Hin 0:1), Schottland - *Kroatien 1:0, (Hin 0:2), Frankreich - *Portugal 1:4 i.E. (Hin 2:1).
Mit * gekennzeichnete Mannschaft qualifiziert.

Nach Red.-Schluss: Tschechien - Schweiz (Hin 2:1), Polen - Weißrussland (Hin 1:1), Italien -...

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