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„Lafontaine hat ein Händchen dafür“

Ost-Genossen froh über neue Klarheit WOLFGANG HUBNER

berichtet aus Mannheim

Die Kandidatur Oskar Lafontaines gegen den bisherigen SPD-Vorsitzenden Rudolf Scharping brachte die Überraschung. Noch am Dienstagnachmittag hatten mehrere Delegierte befürchtet, daß sich auf dem Parteitag alle richtig aufregen und danach gehe alles weiter wie bisher. Selbst nach Lafontaines zündender Rede am Mittwoch war wohl den wenigsten klar, was folgen würde.

Die Wahl des neuen Vorsitzenden ging dann gestern morgen so schnell, daß die meisten Delegierten erst danach zum gründlichen Nachdenken kamen. Zwar haben die ostdeutschen Landesverbände den Wahlausgang kaum beeinflußt, aber sie leiden unter der Misere der SPD besonders. Die meisten SPD-Politiker sind froh, daß nun eine klare Entscheidung getroffen ist. So auch der Landesvorsitzende von Mecklenburg-Vorpommern, Harald Ringstorff, der gegenüber ND sagte, er hoffe, daß mit einem Vorsitzenden Lafontaine und einem Stellvertreter Scharping wieder Teamwork in die Parteispitze einzieht. Daß Lafontaine zu denen gehöre, die sich auch inhaltlich mit der PDS auseinandersetzen, begrüßt Ringstorff, der sich demnächst mit dem Chef der PDS-Bundestagsgruppe, Gregor Gysi, treffen will.

Auch der Berliner Bundestagsabgeordnete Thomas

Krüger hob gegenüber ND hervor, daß Lafontaine ein deutlich offeneres Verhältnis zur PDS sucht als sein Vorgänger. Krüger sieht Lafontaine auch als Stürmer und Dränger in der Diskussion um ökologische Steuerreform, Modernisierung des Sozialstaats und neue Technologien. Zwar sei das Szenario der Wahl überraschend gewesen, aber Lafontaines Kandidatur habe dem Bedürfnis der Parteimitglieder entsprochen, aus der Krise herauszukommen.

Der bisherige Thüringer SPD-Vorsitzende Gerhard Schuchardt, ein bekennender Scharping-Anhänger, findet die entstandenen klaren Verhältnisse besser als einen konkurrenzlosen Vorsitzenden, „der vielleicht nur eine knappe Mehrheit erhalten hätte“. Er habe Lafontaine nach Thüringen eingeladen. Sein Verhältnis zur PDS werde sich durch die Wahl nicht verändern, erklärte Schuchardt dem ND.

Die kurzfristige Kandidatur Lafontaines bezeichnete Schuchardt als überraschend. Eine längerfristige Ankündigung hätte er für besser gehalten. Thomas Krüger hätte das ebenfalls als fairer empfundeni Krüger, der Lafontaine „hypnotische Fähigkeiten“ zuschreibt und starkes Vertrauen zu ihm empfindet, ist gespannt, wie der SPD-Chef mit möglichen Rivalitäten in der Parteispitze umgeht. „Ich glaube, Lafontaine hat ein Händchen dafür.“

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