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Verzweiflung der Zwerge

  • Von Christoph Rasch
  • Lesedauer: 2 Min.

»Der Glaube versetzt Zwerge«. Klaus Zyllas wortspielerische Ausstellungstitel sind Markenzeichen. Der 1953 in Cottbus geborene Zylla stellte in der Linienstraße in Mitte bereits vor zwei Jahren aus. Es waren Werke, die sich an Thomas Bernhard orientierten. In der aktuellen Schau hat sich der Künstler einem einzelnen Werk genähert - »Die Nacht steht um mein Haus« von Karlheinz Deschner. 1924 in Bamberg geboren, legte er mit seinem Erstlingswerk 1956 eine Ab-

rechnung mit der westdeutschen Nachkriegsgesellschaft vor. »Ein Buch gegen die Lauen und die Satten«, hieß es. Bekannt machten den Autor jedoch erst seine kirchenkritischen Schriften. Insbesondere die Reihe »Kriminalgeschichte des Christentums«, die dem schreibenden Förstersohn auch Prozesse einbrachte.

Klaus Zylla, angetan von der wortgewaltigen Schonungslosigkeit des Schriftstellers, fand in Deschner eine neue bildnerische Entsprechung. Er setzt dabei auf Bilder, die ohne Staffage und Kulisse auf zentrale Konflikte abzielen. Der Mensch, diese »Organisation der Verzweiflung« (Deschner), nimmt als klobiger, kurzgliedriger, im Inneren zerrissener Klotz die Leinwände formatfüllend ein. Der Mensch, die »unglückliche Maschine mit Bewußtsein« (Deschner) wird selbst zur Landschaft, Text-

passagen fressen sich in die Freiräume der Bilder. Die Palette im großzügigen Farbauftrag reicht von schwarz bis weiß mit Schmutztönen. Lediglich Zyllas »Zwerge« schweben als rosa Riesen im Kommunikationsvakuum umher

Neben den großformatigen Ölarbeiten hat der Künstler den Zyklus technisch vielfältig umbesetzt, in Ätz- und Kaltnadelradierungen, Siebdrucken und in etwas aus dem Rahmen fallenden, älteren Holzplastiken. Zylla, der eine demnächst erscheinende Neuauflage von Deschners Debutwerk illustrierte, bleibt auch weiterhin mit der Literatur verbunden - die Ausstellung wandert von Berlin zu den Winterthurer Literaturwochen in die Schweiz.

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