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Fontanes »Chateau« will keiner haben

Arbeit statt Sozialhilfe - acht Frauen und Männer versuchen, in Schloß und Park Gentzrode aufzuräumen. Einst war der Ort architektonisches Schmuckstück, zuletzt Militärgelände

den verworfen, ehe die bedeutenden Berliner Architekten Martin Gropius und Heino Schmieden den Zuschlag erhielten.

Doch der abrupte Fall der Gentzschen Schöpfung fängt parallel zur Fertigstellung des Schlosses an. Bruder Wilhelm Gehtz warnte frühzeitig: »Ich muß geste-“ ! hen, daß ich nicht begreife, daß, wenn die Finanzen so stehen, man ein Palais, das doch Luxus ist, für 40 000 Taler oder mehr baut.« Als in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts die Kohle mehr und mehr den Torf als Brennstoff verdrängte, begann das Imperium zu bröckeln. Im Mai 1880 mußte Alexander Gentz Konkurs anmelden, die Stadt Neuruppin machte ihm den Prozeß. Gentz mußte für vier Monate ins Gefängnis, die Schulden konnte er tilgen, doch Gentzrode fiel an die Gläubiger

In den nächsten 50 Jahren wechselte das Gut neunmal den Besitzer Keiner der Nachfolger wußte die Größe und liebevolle Entfaltung des Gentzschen Traumes zu schätzen. 1934 übernahm die Wehrmacht das weitläufige Terrain, nutzte es als Schießplatz und schließlich als Depot für das Rommeische Afrika-Korps.

1945 schließlich wurde die sowjetische Armee Hausherr in Gentzrode. In Mißachtung des bis dahin relativ unberührt gebliebenen architektonischen Ensembles wurde gesprengt, umgenutzt und schließlich zugebaut, was Mauersteine und Betonmischer hergaben. Bis zu 5000 Soldaten und Offiziere sollen hier statio-

niert gewesen sein. Nach dem Abzug der Sowjetarmee herrschte in Gentzrode Niemandszeit. Weiterem Verfall und Vandalismus waren Tor und Tür geöffnet.

1995 wurde das Gut vom Bundesvermögensamt Potsdam an die Brandenbüfgis'ch'e' Bdcfen 'Ge'sells'cliaft'(Ö§Ö)',' 'den“ Verwalter, der, ; ehemals,. f ussischeri ; Liegenschaften, übergeben. Die BBG beauftragte eine Wachschutzfirma mit der Sicherung des Geländes und sucht seitdem händeringend nach Investoren. Nach eigenen Angaben bisher erfolglos: »Gespräche mit mehreren Kaufinteressenten konnten leider nicht erfolgreich beendet werden. Die Munitionsbelastung der umliegenden Flächen und mögliche Auflagen des Denkmalschutzes wirkten sich beeinträchtigend aus.« Laut Aussagen des Brandenburgischen Landesamtes für Denkmalpflege versucht die BBG deshalb, weiteren geplanten Denkmalauflagen entgegenzutreten.

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