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Mehr Autobahn, mehr Stau

Tunnel häufiger dicht wegen Überlastung / Vorbereitung auf A-100-Verlängerung

Obwohl das Bundesverwaltungsgericht grünes Licht für die Verlängerung der Stadtautobahn A 100 nach Treptow gegeben hatte, geben die Gegner des Projekts nicht auf. Am Wochenende protestierten sie vor dem SPD-Landesparteitag, weil die Genossen »als Beschluss fassendes Organ der Berliner SPD immer noch die Möglichkeit haben, den Ausbau zu stoppen«.

Am Wochenende stoppten sie ihn noch nicht, dafür gibt es neue Indizien für den zweifelhaften Nutzen des Projekts. So kommt es an fast jedem Werktag zu Sperrungen oder Zufahrtsbeschränkungen am Britzer Tunnel, wie aus einer Antwort von Verkehrsstaatssekretär Christian Gaebler (SPD) auf eine Anfrage der Grünen hervorgeht. Mehr als 300 Mal waren auch die Tunnel Rudower Höhe und Altglienicke der A 113 von entsprechenden Behinderungen betroffen.

»Die vom Senat vorgelegten Zahlen zeigen deutlich, dass der Britzer Tunnel mindestens in der morgendlichen Spitze die Kapazitätsgrenze erreicht hat und keinen weiteren Verkehrszuwachs verkraftet«, so der Verkehrsexperte der Grünen, Harald Moritz. Nach der Eröffnung des Flughafens BER werde es aber zu noch mehr Verkehr kommen. Weiteren erheblichen Zuwachs werde die A-100-Verlängerung dem Britzer Tunnel bescheren, weil die Senatsverwaltung darüber die Innenstadt umfahren lassen will, prophezeit Moritz. »Komm es durch die Überlastung zum Stau, weicht der Autoverkehr auf das umliegende Straßennetz aus und belastet diese Straße überdurchschnittlich stark.«

Dabei soll die A 100 genau den gegenteiligen Effekt haben und die Wohngebietsstraßen entlasten. Dass dies schon jetzt nicht immer funktioniert, muss auch der Senat zugeben. »Das Verkehrsaufkommen der Berliner Stadtautobahn kann bei der Sperrung einer oder beider Fahrtrichtungen nicht vollständig durch das umliegende Straßennetz aufgenommen werden«, erklärte Gaebler. Um der Staugefahr zu entrinnen, will der Senat in Gesprächen mit der Bundesregierung versuchen, die Richtlinien für den Betrieb von Straßentunneln zu modifizieren. Es sollen verstärkt »stadtverkehrsrelevante Anforderungen« übernommen werden, heißt es.

Ob das gelingt, ist fraglich. Der ADAC jedenfalls erwartet, dass die Stadtautobahn künftig noch mehr als bisher unter Staus leiden wird. Laut einer jüngst vorgestellten Studie werden bis 2025 die mit »unzureichend« bewerteten Abschnitte der A 100 eher noch zunehmen.

Dessen ungeachtet will der Senat im November mit den Vorbereitungen auf den Bau beginnen. Rund 300 Kleingärten müssen der Trasse weichen, zwölf Hektar Grünfläche werden planiert. Auch Gewerbeflächen und zwei Wohnhäuser in der Beermannstraße müssen weichen. Im Sommer 2013 könnte dann der Erste Spatenstich für die eigentlichen Bauarbeiten erfolgen, die bis 2020 abgeschlossen sein sollen. Rund 500 Millionen Euro soll die Betonpiste kosten, womit sie zu Deutschlands teuerster Autobahn würde. Falls dem Bund nicht doch noch das Geld dafür zu schade ist, wie Autobahngegner hoffen.

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