Merkels Maske
Dieses Image hat sich Angela Merke eingekauft, als sie Seibert zum Regierungssprecher machte. Ihre Verlautbarungen sollen wie Nachrichten klingen, wenn er sie in der Bundespressekonferenz vorträgt. Der Seibert-Sound soll Zuverlässigkeit und Glaubwürdigkeit vermitteln, sein Gesicht soll Merkels Politik maskieren. Im Seibert-Sound sagt Seibert in seinem neuen Job Dinge, bei denen sich ihm eigentlich alle Haare sträuben müssten. Jüngstes Beispiel: seine Äußerungen zum umstrittenen Armutsbericht der Bundesregierung. Dieser Bericht aus dem CDU-geführten Sozialministerium enthielt in der Erstfassung einige dezente Hinweise auf die sehr ungleiche Verteilung von Einkommen und Vermögen in Deutschland. Dann wurde der Text zur so genannten Abstimmung in andere Ressorts geschickt und kehrte aus dem FDP-geführten Wirtschaftsministerium ohne die kritischen Passagen zurück – dafür angereichert um ein Lob auf die zweifelhaftem Arbeitsmarkterfolge im Niedriglohnsektor.
Der Regierungssprecher hatte den Vorgang vor der Hauptstadtpresse zu erklären und formulierte dann im Seibert-Sound: Nun, nach der Abstimmung, liege ein ausgewogener Bericht vor, der ein „realistisches, problembewusstes Bild über Armut und Reichtum in Deutschland zeichnet". Hätte der Journalist Seibert sich früher nicht einigermaßen über einen solchen Regierungssprecher mokiert? Müsste sich nicht wenigstens innerlich der Regierungssprecher Seibert gegen solche Pflichtübungen sperren? Und würden die Fernsehzuschauer einem solchen Mann je wieder eine ernsthafte journalistische Nachricht abnehmen?
Aber zumindest den letzteren Gedanken muss sich Seibert nicht machen. Wenn es einmal mit der CDU-regirung vorbei ist - irgendwo in der Propaganda-Lobbyismus-Industrie wird für ihn sicherlich Verwendung sein.
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