Quichotte - ein Träumer von heute

Tanz in Rudolstadt

  • Von Volkmar Draeger
  • Lesedauer: 3 Min.

Das Theater Rudolstadt beherbergt seit Langem nur noch Schauspiel und Oper; den Tanz bringen Gastspiele aus dem wahrlich nicht gerade dicht benachbarten Nordhausen ein. Kooperation spart angeblich Geld. Exportiert von dort ist eine Inszenierung von Stefan Haufe. Der hatte seinen »Don Quichotte« schon vor einem Jahrzehnt in Schwerin ausprobiert und ihn nun für Nordhausen optimiert. Für das Nudelbrett von Bühne in Rudolstadt erfuhr er nochmals eine Verdichtung. Das ist ihm gut bekommen. Den zwölf Nordhäuser Tänzern schrieb Haufe ein neues Libretto auf den Leib und zeigt so, wie man auch mit kleiner Personnage einen amüsanten Abend zustande bringt.

Der Vorzug dieses »Don Quichotte« ist, dass es wirklich um den Ritter von der traurigen Gestalt geht und er nicht, wie im tradierten Ballett, bloß Auslöser für die Love Story um Basilio und seine Kitri ist. Der Don lebt als Lesenarr in unglücklichen Verhältnissen: Weder die Gattin noch Tochter Kitri sind mit seinem Ritterspleen froh. Das führt zu Krach, endet mit seinem Rauswurf. Postbote Sancho Pansa, der eben ein neues Buch brachte, doch mit leeren Seiten, folgt ihm, weil sich Quichotte beschweren möchte. Die Bürokraten aber schicken ihn einer zum anderen, bis der Don aufmuckt und erstes Chaos verursacht. Kitri, die sich unterdessen mit Basilio liiert hat, begleitet den Vater in einen Straßenzirkus. In der Ballerina, die effektvoll über Hände und Rücken auf dem »Seil« tanzt, glaubt Quichotte seine Dulcinea gefunden. Gleiche Illusion hat er in einer Taverne: Erneut verfällt er dort einer Schönen. Das löst zum Gaudi des Zuschauers eine Massenprügelei voller Slapstick aus.

Wieder daheim bei der tobenden Frau, hält es den Don nicht, weil Drachen und Träumer nicht zueinander passen, ihr Basilio als Schwiegersohn nicht recht ist und zwei Polizisten beschwichtigt werden müssen. Mit einem Stab als Lanze stürzt er ins letzte Abenteuer bei einem Herzog, der ihn zu sich einlädt. Aus einem Verwirrspiel im Stegreiftheater, das Quichotte löst und für das sich alle Musik aus Beethovens »Ritterballett« ausbedingen, wird bitterer Ernst für den Ritter. Er bricht zusammen, erkennt auf dem Totenbett in der Gattin seine wahre Dulcinea. Als Don stirbt, sind seine Erlebnisse zum Buch geworden; die rauchende Ärztin stellt das Tonband mit der Musik ab.

So fern vom originalen Cervantes ist die Geschichte dann doch nicht, bettet sie jedoch in eine Rahmenhandlung von heute und bedient geschickt die Fähigkeiten der Interpreten. András Virág ist ein spillrig agiler, rundum überzeugender Titelheld, den seine Frau, die modern wie klassisch souveräne Yuri Hamano, wirklich liebt. Die feurige Kitri der Irene López Ros steht hier nicht im Zentrum und prägt sich dennoch ein, ebenso der junge Daisuke Sogawa, ein Talent mit Zukunft. Wie Oliver Weder seine Thüringer Symphoniker durch all die Walzer, Galopps und spanischen Anklänge in Ludwig Minkus‘ Partitur führt, setzt der Aufführung auch musikalisch eine Krone auf.

Wieder am 3., 11. und 14. Mai

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