Dopinghintermänner

Tom Mustroph über den spanischen Dopingarzt Eufemiano Fuentes

Der spanische Dopingarzt Eufemiano Fuentes wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt. Das mag angesichts des Ausmaßes des Sportbetrugs, der ihm zugeschrieben wird, wenig erscheinen. Es ist aber auch viel. Denn sehr selten wurden bisher die Hintermänner oder Organisatoren des Dopings juristisch belangt. Das erstinstanzliche Urteil ist damit ein Signal: Ärzte und Betreuer können sich nicht mehr sicher wähnen.

Mit Ignacio Labarta wurde auch ein früherer sportlicher Leiter mit vier Monaten Gefängnis belegt. Dass beide Männer diese Strafen nicht absitzen müssen - geschenkt. Knast für Hilfe beim Doping hieße mit Kanonen auf Spatzen schießen. Das vierjährige Berufsverbot dürfte Fuentes empfindlicher treffen. Und weil ihn die Strafe nicht wegen des Dopings an sich, sondern wegen der abenteuerlichen und laut Gericht gesundheitsgefährdenden Bedingungen bei den Bluttransfusionen ereilte, ist jetzt Sportlern die Möglichkeit gegeben, etwaige Forderungen nach unerlaubter Leistungssteigerung durch Trainer oder Geldgeber mit Hinweis auf den gefährlichen und Strafbarkeit nach sich ziehenden Charakter dieser Prozeduren abzulehnen. Mal sehen, ob es jemanden gibt, der Manns - oder Frau - genug ist, dies auch zu tun. Und wer sich in Deutschland über die Milde der spanischen Justiz beschwert, sollte mit gleicher Messlatte den Gerolsteiner-Prozess in Stuttgart bewerten.

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