Vergifteter Rat

Uwe Kalbe über Wachstum und Austerität als zwei notwendige Seiten einer Medaille

Beim Geld hört die Freundschaft bekanntlich auf. Auch die von viel Weihrauch verhangene Gemeinschaft europäischer Länder verliert sehr schnell alle Gemeinschaftlichkeit, wenn es darin so provozierend leicht zu identifizierende Sieger und Verlierer gibt.

Wenn nicht mehr nur die in allen Ländern Prekarisierten zum Opfer werden, sondern ganze Länder selbst. Angela Merkels vergifteter Rat, Wachstum und Austerität als zwei notwendige Seiten einer Medaille zu akzeptieren, weckt mittlerweile nicht nur bei denen Missfallen, die ihre Empörung am 1. Mai auf die Straßen trugen - in vielen Ländern deutlicher als in Deutschland. Sondern auch in der politischen Klasse jener Länder, die gegen Deutschland als wirtschaftliche Konkurrenten bisher nicht bestehen, aber in seine Umarmung gezwungen sind.

Dass jetzt auch in der Linkspartei die Ansichten auseinander gehen, ist folgerichtig, wenn nicht wünschenswert. Ist doch die Frage, welche Alternativen sich in dieser Situation für Europa bieten, keine in einem Lehrbuch nachlesbare. Wenn auch zu hoffen wäre, dass ihrer Debatte einige »Alternativen für Deutschland« erspart bleiben. Zugleich zeigt die Form der Auseinandersetzung das Problem der Linken, zumindest in Deutschland. Sie ist ihrer Aufgabe noch immer nicht gewachsen. Der Euro, der gern als Synonym für den Konflikt diskutiert wird, ist nur ein Aspekt. Ein anderer wäre die Kultur. Trotzdem scheint er das einzig Wichtige zu sein. Beim Geld hört die Freundschaft auf.

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