Modernisierung der »Zauberkugel«

Das Zeiss-Großplanetarium in Prenzlauer Berg wird ein Jahr lang saniert

Als Prestigeobjekt der DDR erbaut, wird das Zeiss-Großplanetarium nun für ein Jahr umfassend modernisiert. Danach soll es als Wissenschaftstheater neu eröffnet werden.

Der kleine Fritz wird bald sehr traurig sein. Dann nämlich, wenn ihm seine Mutter Christine Regus demnächst sagen muss, dass das Zeiss-Großplanetarium für ein Jahr seine Türen schließt. Christine Regus von der Senatskanzlei für Kulturelle Angelegenheiten berichtete am Mittwoch auf der Pressekonferenz im Zeiss-Großplanetarium von der Leidenschaft ihres Sohnes für die »Zauberkugel«, wie Fritz das Planetarium nennt. Insbesondere an verregneten Sonntagnachmittagen besuche die Familie das Sternentheater im Prenzlauer Berg gerne.

2,6 Millionen Besucher zählt das 1987 eröffnete Planetarium bis dato. Doch ab dem Wochenende werden für ein Jahr erst einmal keine weiteren dazukommen. Der Grund: Das Planetarium soll fit für die Zukunft gemacht werden. Zur Erläuterung der Modernisierungspläne hatte das Sternentheater, das zur Stiftung Deutsches Technikmuseum Berlin gehört, zu einer besonderen Pressekonferenz geladen. Neben den üblichen Statements und Reden gab es auch ein Best-of der beliebtesten Programme, musikalische Darbietungen - und einen multimedialen Ausblick darauf, wie das Planetarium in einem Jahr aussehen soll.

Zunächst aber warf Joseph Hoppe, stellvertretender Direktor des Deutschen Technikmuseums, einen Blick zurück. Unter anderem auf den »Ort der stinkenden Industrieanlage«, die der jetzige Standort des Planetariums einst war. Als 1984 Pläne bekannt wurden, das dort befindliche Gaswerk zu sprengen, gab es einen der ersten Bürgerproteste der DDR. Am 9. Oktober 1987 wurde das Sternentheater dann im Rahmen des 750-jährigen Stadtjubiläums Berlins eröffnet - und zwar in Gegenwart von Erich Honecker. Für die DDR-Führung galt die Sternwarte als Prestigeobjekt. Und in der Tat war sie eine der größten und modernsten weltweit. Übrigens damals schon mit Westtechnik.

Doch der Zahn der Zeit nagt insbesondere an der Technik. Regus begründete den Zuschuss des Landes Berlin in Höhe von 12,8 Millionen Euro damit, dass dies eine Investition in die Zukunft sei. Berlin bewahre durch die Modernisierung des Großplanetariums seinen Wert als Wissenschafts-, Bildungs- und Entertainmentstandort. Das sah auch der Bezirksbürgermeister von Pankow, Matthias Köhne (SPD), so. Zwar gehe nach fast 27 Jahren eine Ära zu Ende. »Doch wir werden zu neuen Ideen aufbrechen.«

Worin diese neue Ideen im Einzelnen bestehen - das demonstrierte Planetariumsleiter Tim Florian Horn. Der 31-Jährige ist erst seit Juni letzten Jahres in dieser Funktion tätig, blickt aber bereits auf Erfahrungen bei der Modernisierung des Planetariums in Hamburg zurück. Ihm geht es auch um eine Öffnung des Großplanetariums hin zu Themen jenseits der Astronomie. »Statt bisher ausschließlich astronomische Programme zu zeigen, wird sich das Planetarium in Zukunft auch anderen wissenschaftlichen Gebieten wie der Biologie, der Chemie oder Medizin widmen«, heißt es. Horn spricht von einem interaktiven »Wissenschaftstheater«. Schüler könnten zum Beispiel während eines Projekttages vormittags ein Computerprogramm erlernen und Präsentationen vorbereiten und diese nachmittags im Kuppelsaal an die Wände projizieren. »Spielerisch und mit Emotionen soll an die Wissenschaft herangegangen werden«, sagte Horn.

Und das natürlich mit neuer Technik. Im Zentrum steht dabei die Umstellung auf eine digitale Projektionstechnik. »Der größte Bildschirm Deutschlands« wird nach der Modernisierung im Kuppelsaal zu bestaunen sein. Des Weiteren werden in den nächsten zwölf Monaten einige bauliche Änderungen erfolgen.

Und wie erklärt nun Christine Regus ihrem Sohn Fritz, dass er für ein Jahr nicht mehr in die »Zauberkugel« gehen kann? Sie wird ihm sagen, dass er danach noch viel mehr Dinge wird sehen können.

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