Wenig Erfindungen im Nordosten

Mecklenburg-Vorpommern bezuschusst Patentanmeldungen mit bis zu 50 000 Euro

  • Von Joachim Mangler
  • Lesedauer: 3 Min.
Mecklenburg-Vorpommern liegt bei der Zahl der Patentanmeldungen im Bundesvergleich mit am Ende des Feldes. Doch so schlecht sieht es nach Expertensicht im Nordosten gar nicht aus.

Rostock. Mecklenburg-Vorpommern hängt bei der Patentierung von Forschungsergebnissen weiter hinterher. 2013 wurden laut dem Deutschen Patent- und Markenamt 181 Patente aus dem Land angemeldet. Mit rund elf Patenten pro 100 000 Einwohner liegt der Nordosten zwar noch vor Sachsen-Anhalt, ist aber weit abgeschlagen im Vergleich zu Baden-Württemberg, das in dieser Statistik als Spitzenreiter auf 138 Patente kommt. Im deutschen Schnitt sind es 59 Patente auf 100 000 Einwohner. Die Zahl von Patenterteilungen gilt allgemein als Indikator für die Konkurrenzfähigkeit einer Wirtschaft.

»Wir haben noch Nachholbedarf«, sagte der Sprecher des Wirtschaftsministeriums, Gunnar Bauer. Er verwies aber auf die leicht steigenden Zahlen in diesem Bereich. Dies sei auch ein Erfolg der Verbundforschung, bei der kleine und mittlere Unternehmen eng mit den Hochschulen und anderen Forschungsinstitutionen zusammenarbeiten. Diese spezielle Förderung soll weiter ausgebaut werden, von 2014 bis 2020 stehen insgesamt 168 Millionen Euro zur Verfügung, sagte Bauer. Vom Land gibt es Zuschüsse von bis zu 50 000 Euro pro Anmeldung.

Unter Berücksichtigung der Wirtschaftsstruktur sowie der jüngsten Geschichte steht Mecklenburg-Vorpommern nach Worten von Gesine Selig vom Verwertungsverbund MV mit der aktuellen Zahl von Anmeldungen gar nicht schlecht da. Dies zeigten andere Berechnungen wie die »Patenteffizienz«, mit der die Zahl der Beschäftigten in Forschung und Entwicklung in Relation zur Patentzahl gebracht wird. Dann fänden sich Forschungsmetropolen wie München und Stuttgart im Mittelfeld, Mecklenburg-Vorpommern im unteren Mittelfeld.

2013 seien dem Verwertungsverbund 68 Erfindungen gemeldet worden, im Vorjahr waren es nur 50. In diesem Jahr sind es bereits 15. Aus den Bereichen Medizin und Pharmazie kamen 2013 mehr als 60 Prozent der Erfindungen. Zum Verbund, der von Rostock aus gesteuert wird, gehören alle Hochschulen und die vier Leibniz-Institute. Die Beratung der Wissenschaftler im Land und die Patentierung wird jährlich mit rund 620 000 Euro von Land und Bund unterstützt.

Für den Geschäftsführer des Rostocker BioTech-Unternehmens Cytocentrics, Thomas Knott, ist Patentierung unerlässlich. »Dies gilt gerade im Bereich der Hochtechnologie«, sagte er mit Blick auf den internationalen Konkurrenzdruck im Bereich der Stammzellforschung. Etwa einmal im Jahr lasse sich seine Firma eine Entwicklung patentieren. Die rund 100 000 Euro für den internationalen Schutz seien dabei gut angelegt.

Das recht geringe Aufkommen an Patenten sollte laut Christine Grünewald von der IHK Rostock nicht zu einer Negativeinschätzung der Wirtschaftsleistungen führen. »Viele Unternehmen haben ihren Hauptsitz außerhalb des Landes, Forschungsergebnisse werden den Zentralen zugeordnet«, erklärte sie. Zudem sei die Patentzahl nicht der einzige Maßstab für Innovationen. »Gerade bei den kleinen Unternehmen gibt es Entwicklungen, die nicht patentiert werden.« Wer seine Innovation schützen lässt, müsse alles offenlegen und gebe so auch viele seiner Ideen preis.

Für die Kammern sei das derzeitige Wachstum an forschenden Unternehmen ein positives Zeichen. Dazu biete die Rostocker IHK regelmäßig Technologieabende an, die auch als Kennenlernplattform dienen. »Das gegenseitige Kennen ist wichtig, wenn sensible Daten ausgetauscht werden«, sagte Grünewald. dpa/nd

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